28.01.2013 Hannover/Berlin

All that Jazz: UdK @ UdK

Ihre Schuhe hat Frederike Merz ausgezogen und steht mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Genauer gesagt auf der Bühne des Georg-Neumann-Saals im Jazz-Institut Berlin (JIB). Die junge Sängerin schließt ihre Augen und intoniert eine Passage aus einer klassischen Arie – hinreißend und hoch emotional. Die menschliche Stimme als vielleicht außergewöhnlichstes aller „Instrumente“ stand im Mittelpunkt beim letzten Part der von Sennheiser, Neumann und Lawo/Innovason initiierten Seminar-Roadshow „Ursprung des Klangs“.

Twang
Eleanor Forbes ist zufrieden. Die ausgebildete Opernsängerin ist im JIB als Gastprofessorin für Stimmbildung/Lehrpraxis tätig und weiß, wie aufstrebende Gesangstalente zu fordern und zu fördern sind: „In dieser Rolle bist Du 17 und nicht 35; ein bisschen selbstverständlicher könnte das schon noch klingen …“, merkt sie konstruktiv-kritisch an und wünscht sich passend zum Sujet mehr „Twang“ in der Artikulation. Frederike Merz versteht und wiederholt die Passage in der gewünschten Interpretation.

Laut Eleanor Forbes muss die Stimme bei ausgebildeten Jazzsängern „dem Ausdruckswunsch gehorchen“. Aus ihrer langjährigen Praxis weiß die Stimmbildnerin, wie falsche Muster aufzubrechen sind, und mit Student Marcus Gartschock arbeitet sie zunächst an dessen Körperhaltung, bevor überhaupt ein erster Ton erklingt. Mit einem definierten „Ja-ooh, ja-ohh, jaaa“ führt der Luft/Lunge/Kehlkopf/Mundraum/Lippen-Weg über legato und staccato gesungene Tonleitern, und Forbes bemüht Metaphern wie „Entdeckungsreise“ und „lebenslanges Lernen“. Mehr als 60 Muskeln wollen für die menschliche Tonerzeugung trainiert werden - im Gegensatz zu einem Instrument existiert keine fertige Form, und die individuelle Tagesverfassung nimmt entscheidenden Anteil am Klangresultat.

Die hautnah miterlebte Stimmbildungsstunde ist für alle Anwesenden faszinierend – ein beinahe intim wirkender Einblick in ein weithin unbekanntes Metier an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kunst, das fraglos unmittelbar am Ursprung des Klangs angesiedelt ist.

Von Bass bis Sopran
Diplom-Tonmeister Marcel Babazadeh ließ im Anschluss unter dem Titel „Vom Klang zum Sound“ viel Wissenswertes rund um die menschliche Stimme verlauten. Stimmlagen von Bass bis Sopran wurden ebenso vorgestellt wie unterschiedliche Chortypen. Die bereits von Eleanor Forbes thematisierte Klangentstehung wurde en détail analysiert – laut Babazadeh tragen physische Eigenheiten in Form des der Luftsäule zur Verfügung stehenden Resonanzraums maßgeblich zum individuellen Stimmklang bei, ganz „wie ein Fingerabdruck“. Sogar bei einer vergleichsweise schlechten Übertragung per Telefon sind spezifische Charakteristika erkennbar.

Martin Liermann, Productmanager bei Sennheiser Vertrieb und Service, nahm diesen Ansatz auf und referierte über die Mikrofonierung von Stimmen. Liermann ließ Vorteile von Groß- und Kleinmembrankapseln Revue passieren und klammerte auch die derzeit im Trend liegenden Lavaliermikrofone nicht aus – kompakte Miniaturlösungen wie das Sennheiser MKE 1 lassen sich quasi „unsichtbar“ anbringen, was in vielen Zusammenhängen erwünscht ist.

Philosophische Performance
Christian Steyer, freischaffend als Schauspieler, Sprecher, Pianist, Sänger und Komponist tätig, ließ am frühen Nachmittag seine sonore Stimme im nicht nur hervorragend ausgestatteten, sondern auch akustisch rundum überzeugenden Georg-Neumann-Saal ertönen. In seinem philosophisch geprägten Vortrag rückte er passend zum Thema des Tages den Menschen in den Mittelpunkt und erläuterte unter anderem, warum Gesangsperformances „manchmal einfach nicht rüberkommen“. In zahlreichen Beispielen zeigte Steyer die Möglichkeiten unterschiedlicher Betonungen auf und wies darauf hin, wie sich antrainierte Programme in eine künstlerische Äußerung transformieren lassen. Vokale betrachtet Steyer als „Ströme aus Licht mit einem engelhaften Charakter“, die von den Konsonanten gerahmt werden. „Ich mache die Musik, und die Musik macht mich“, lautete eine seiner zum Nachdenken anregenden Thesen.

Klassik live
Am Nachmittag hatte Carsten Kümmel (www.tonmeister-online.de) das Wort und ließ die Seminarteilnehmer an seinem umfangreichen Wissensschatz teilhaben. Der Diplom-Tonmeister ist in der Branche u. a. durch Arbeiten für Robin Gibb und Peter Herbolzheimer bekannt – für Staunen sorgten Einblicke in seine Tätigkeiten bei Groß-Events wie der multimedialen Motorenmelodie „autosymphonic“ in Mannheim oder dem von Michael Kunze und Dieter Falk verfassten Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“ mit 3.000 Chorsängern.

Laut Kümmel ist „das Ideal eines Orchesters im Konzertsaal auf elektroakustischer Basis nicht erreichbar“, weshalb stets ein gewisses Maß an Interpretation auf Seite des Tonmeisters gefordert ist. „Sound wird mit den Mikrofonen und deren Position gemacht“, konstatierte Kümmel und belegte seine Worte anhand einer Mikrofonierungsliste der lettischen Mezzosopranistin Elīna Garanča.

Als Hauptmikrofonierung bevorzugt Kümmel einen Decca-Tree, der in etwa 3 bis 3,50 Meter Höhe aufgehängt wird. Stützmikrofone setzt der erfahrene Tonmeister sparsam ein, und nicht selten werden bei ihm gleich vier Instrumentalisten von nur einem Mikrofon abgedeckt, was gemäß seiner Worte zu einem klanglich vorteilhaften „melting effect“ führt. Bei Musicals sowie in popmusikalischen Zusammenhängen arbeitet Kümmel gerne mit einer doppelten Mikrofonierung, die „Clip-Mics bei den Abgehnummern mit auf Stativen montierten Mikrofonen für die Balladen kombiniert“. Nach eigenem Bekunden ist der Tonmeister ein ausgemachter Anhänger digitaler Mikrofone (z. B. Sennheiser MKH 8000-Kapseln mit MZD 8000 Digitalmodul), welche gerade bei vielen geöffneten Kanalzügen für eine im Analogbereich ungekannte Ruhe ohne störendes Rauschen sorgen.

Demonstration einer Mischung, bei der Kümmel ein Monosignal zunächst auf Stereo erweiterte und es anschließend mit künstlichem Hall versah. Eine vorteilhafte Klangbe-einflussung zeigte die Verzögerung einzelner Instrumentengruppen auf einen imaginären Nullpunkt im Publikum, welche von einer Tiefenstaffelung in drei Ebenen unter Einbindung eines leistungsstarken Effektgerätes flankiert wurde. Weiter hinten positionierte Instrumente wurden per Equalizer mit einem, dem natürlichen Hörempfinden nahe kommenden, Höhenabfall versehen. Der elaborierte „Pandora“ Panning-Effekt einer Innovason „Eclipse GT“-Konsole, der in Zusammenarbeitet mit Carsten Kümmel entwickelt wurde, sorgte für zusätzliche Authentizität bei der Wiedergabe. Ein Surround-Effekt ließ abschließend eine nahezu perfekte Klangillusion entstehen – zahlreiche kleine, bei Einzelbetrachtung eher unspektakulär wirkende Schritte führten zu einem überzeugenden Hörerlebnis mit exzellentem Sound.

Grande Finale
In Berlin endete die diesjährige Reise zum „Ursprung des Klangs“ mit einem großartigen Finale, das einen einzigartigen Einblick in die Ausbildung junger Sänger eröffnete und die menschliche Stimme in Theorie und Praxis genauestens unter die Lupe nahm. „Ein wirklich beeindruckender Tag, der die aufgrund der vorangegangenen „Ursprung des Klangs“-Stationen bereits hochgesteckten Erwartungen mehr als erfüllen konnte!“, kommentierte Ties-Christian Gerdes, Geschäftsführer der Sennheiser Vertrieb und Service GmbH & Co. KG.

Wann die erfolgreiche Seminar-Roadshow fortgesetzt und wo die Reise zum Ursprung des Klangs im Jahr 2013 Station machen wird, steht noch nicht fest – dass die begeisterten Seminarteilnehmer durchweg eine Zugabe wünschen, war bei angeregten Fachgesprächen in Bad Berleburg, Markneukirchen, Braunschweig, Hamburg und Berlin jedoch unüberhörbar!

Ein Video zum sechsten Termin finden Sie hier:
http://vimeo.com/58180590


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