28.08.2014 Wedemark

Alte Musik mit neuer Audiotechnik: La Folia im Dresdner Gartenpalais

Anfang August 2014 nahm das La Folia Barockorchester an mehreren Tagen im historischen Ambiente des Dresdner Palais Großer Garten auf. Erfahrene Recording-Profis setzten ausgesuchte Audiotechnik¬komponenten ein, um sämtliche Klangnuancen auf höchstem Qualitätsniveau einzufangen. Mikrofone des Audiospezialisten Sennheiser übernahmen als erste Glieder der Aufnahmekette eine entscheidende Rolle.

„Wir verwenden für die Aufnahmen das beste Equipment, das es auf diesem Planeten gibt!“, konstatierte Günter Pauler, der sich als Mastermind von Stockfisch-Records vorrangig um die technischen Aspekte des Recordings kümmerte und die musikalische Führung seinen Kollegen Jakob Händel und Hans-Jörg Maucksch überließ. Die Tonspezialisten waren in der glücklichen Lage, bezüglich der Mikrofonierung aus dem Vollen schöpfen zu können. „Seit vier oder fünf Jahren habe ich sehr viele Sennheiser-Produkte im Einsatz“, erklärte Jakob Händel, der international als Recording Producer erfolgreich und insbesondere für aufwändig mikrofonierte Orchesteraufnahmen bekannt ist. „Von diesem Hersteller werde ich bestens unterstützt und gebe gerne auch Feedback aus meiner täglichen Praxis.“

Zu den ausgemachten Lieblingen von Label-Chef Günter Pauler zählt das Sennheiser-Modell MKH 800 mit seinen fünf schaltbaren Richtcharakteristiken und mehrstufig schaltbaren Klangstellern. Seit Kurzem hat der Audioprofi ergänzend die Achtercharakteristik des Hochfrequenz-Kondensatormikrofons MKH 30 für sich entdeckt: „Das Modell MKH 30 ist eines der herausragenden Mikrofone im Sennheiser-Portfolio“, so Pauler. „Es handelt sich um eine wirklich einzigartige Acht, mit der man umgehen können muss – wenn man sich darauf versteht, lassen sich andere Instrumente mithilfe dieses Mikrofons wirkungsvoll ausblenden. Der saubere Klang und die Musikalität des MKH 30 sind exemplarisch; es gibt auf dem Markt nichts Vergleichbares!“

Mikrofonierung
Bei den Aufnahmen in Dresden ließen sich drei Ebenen von Hauptmikrofonen unterscheiden, die durch zahlreiche Stützmikrofone ergänzt wurden. Welche Signale in welcher Kombination letztlich auf der Veröffentlichung Platz finden werden, war beim Recording Anfang August 2014 noch nicht final entschieden – die „Stunde der Wahrheit“ wird erst während der Mischung im Studio schlagen. Recht nahe am Orchester befand sich ein One-Point-System. In kurzem Abstand dazu war eine A/B-Schiene (2 x Sennheiser MKH 8020 Kugeln) mit einer Basisbreite von 1,20 m aufgestellt worden. Als drittes Hauptmikrofonsystem verrichteten zwei Kugeln auf einer Schiene mit 4 m Basisbreite ihren Dienst.

Eine zentrale Rolle bei den Stützmikrofonen spielte der Sennheiser-Druckgradientenempfänger MKH 30, welcher sich laut Günter Pauler als „genau die richtige Lösung“ erwies. Durch die akustisch transparente Bauart der Kapsel erhält die Membran einen unmittelbaren und quasi trägheitsfreien Kontakt zum Schallfeld – es gibt keine akustischen Verzögerungsglieder oder Resonatoren, die den Klang beeinträchtigen könnten. Durch den symmetrischen Kapselaufbau (die Membran ist zwischen zwei gleichartigen Gegenelektroden angeordnet) wird der Schall beidseitig in gleicher Intensität erfasst, was in einer perfekten Achtercharakteristik resultiert. Durch die ausgeprägte Unterdrückung seitlich einfallender Schallsignale sorgt das MKH 30 bei einem Einsatz als Stützmikrofon für eine sehr gute akustische Trennung einzelner Klanggruppen, und es lassen sich störende Raummoden ausblenden, die quer zur Hauptachse des Mikrofons verlaufen.

Jenseits des MKH 30 waren in Dresden MKH 800 an diversen Positionen zu entdecken. Schallwandler des Typs MKH 50 (Superniere) fanden ebenfalls Verwendung. „Das MKH 50 ist für mich eines der am schönsten klingenden Mikrofone, das gleichzeitig auch isolieren kann“, erklärte Jakob Händel. „Eine Kugel klingt prinzipiell zwar immer am besten, aber sobald man sich in einem Umfeld mit mehreren Schallquellen bewegt, sind das MKH 50 und das MKH 8050 meine absoluten Favoriten. Vermutlich bin ich der einzige Anwender, der gleich 16 MKH 8050 besitzt.“

Die Positionierung der Stützmikrofone wurde passend zu den klanglichen Eigenarten der jeweiligen Instrumente gewählt: Manch eine Geige klang von vorne gehört eher bissig, während sich der Klang von hinten weich darstellte – erfahrene Ohren waren gefragt. „Wir haben genau hingehört und für jedes Instrument die perfekte Balance gesucht“, so Jakob Händel. Viele Instrumente wurden doppelt aus unterschiedlichen Richtungen mikrofoniert.

An Positionen, an denen das MKH 30 nach Einschätzung von Jakob Händel „zu viel Druck“ an den Tag legte, wurde ein MKH 800 mit Roll-off im Bassbereich eingesetzt – insbesondere am Cembalo konnte störender Trittschall auf diese Weise wirkungsvoll gemindert werden. Zwei um 90 Grad zueinander gedrehte MKH 800 wurden oberhalb der Saiten in einer X/Y-Anordnung betrieben. Nach anfänglichen Tests mit einer nierenförmigen Richt–charakteristik entschied man sich final für breite Nieren, um das Volumen des Instruments noch besser abbilden zu können.

Der Sologeiger wurde mit zwei um 90 Grad gegeneinander gedrehten MKH 800 (Achtercharakteristik) mikrofoniert – ein Mikrofon war direkt auf das Instrument gerichtet, während das andere in der Mischung möglicherweise als Signallieferant für eine M/S-Matrix herangezogen werden wird. Der Doppel-Acht unterstellte Jakob Händel eine angenehme „Griffigkeit“.

Die langhalsige Theorbe wurde mit einem MKH 800 (Acht) versehen, bei dem ein Roll-off im tieffrequenten Bereich aktiviert wurde. Parallel dazu wurden die Höhen angehoben: „Die Equalizer in diesen Mikrofonen sind sensationell gut!“, stellte Jakob Händel zufrieden fest.

Der Klang des Kontrabasses wurde mit einem MKH 30 eingefangen, zu dem sich ein MKH 80 (Superniere) gesellte. An der Barockgitarre kam ein MKH 800 zum Einsatz. Am Cello war ein MKH 30 zu entdecken, und zusätzlich waren nahe des Instruments zwei MKH 50 platziert worden – welche Signale letztlich Verwendung finden, wird beim Mixdown entschieden.

Location
Eine besondere Rolle spielte der „Aufnahmeraum“: Der im ersten Stock des Dresdner Barockschlosses gelegene Große Festsaal zeichnet sich durch einen lebendigen Klang aus und ermöglicht es Musikern, sich gegenseitig perfekt zu hören. Der Nachhall im Festsaal bewegt sich zwischen 3 und 4 Sekunden. Insbesondere hohe Frequenzen klingen sehr elegant aus, und der Nachhall „klebt“ sozusagen an den Instrumenten – die Aufzeichnungen wirken „verbunden“ und keineswegs so, als ob sich zu einem „trockenen“ Ensemble später ein Raum hinzugesellt.

„Die Nachhallzeit im Saal ist genau richtig, und der Nachhall klingt zudem außerordentlich gut, so dass wir bei dieser Produktion später keinen künstlichen Hall hinzufügen müssen“, erklärte Günter Pauler. Jakob Händel ergänzte: „Die groben Wandoberflächen tragen sicher mit dazu bei, dass der Hall nicht flattert und keine unangenehmen Effekte entstehen. Der ursprünglich vorhandene Steinfußboden wurde im Saal durch einen schwingenden Holzboden ersetzt, was sich ebenfalls positiv auf den Klang auswirkt – lediglich dem Trittschall muss man aufgrund dieses Umstandes ein wenig mehr Aufmerksamkeit als üblich widmen.“

Bei den Aufnahmen herrschte eine ausnehmend gute Stimmung in einer produktiven, von außerordentlicher Spielfreude geprägten Recording-Atmosphäre. Jakob Händel sprach sichtlich begeistert von „magischen Momenten am laufenden Band“ und kommunizierte über ein Sennheiser ME 36 aus einem provisorisch zur Regie umgebauten Nebenraum lebhaft mit den Musikern. Abgehört wurde über ein Pärchen Neumann KH 310 A, dem Händel und Pauler unter Berücksichtigung der kompakten Gehäusegröße übereinstimmend exzellente Klangeigenschaften bescheinigten. Weiterhin kamen diverse Kopfhörer zum Einsatz, zu denen ein HD 800, zwei HD 650 und ein MOMENTUM On-Ear Ivory gehörten.

Bekanntes & Unbekanntes
Auf der Agenda für das Recording im Palais Großer Garten stand „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Hinzu kamen ein Violinkonzert („Der Großmogul“) sowie die Ersteinspielung eines weithin unbekannten Werks von Giuseppe Antonio Brescianello. La Folia war bei den Aufnahmen mit acht Musikern vertreten. Als Instrumente kamen ein Cembalo, eine Theorbe, eine Laute, eine Violone (mit Darmsaitenbünden), ein Barockcello (ohne Stachel), ein Kontrabass, drei Geigen und eine Barockgitarre zum Zuge.

Die Aufnahmen werden ab Herbst dieses Jahres bei Stockfisch-Records erhältlich sein. Geplant ist eine Auswertung in unterschiedlichen Formaten sowohl auf physischen Tonträgern wie auch als Download.


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Über Sennheiser
Die Zukunft der Audio-Welt zu gestalten und für Kunden einzigartige Sound-Erlebnisse zu schaffen – dieser Anspruch eint Sennheiser Mitarbeiter und Partner weltweit. Das 1945 gegründete Familienunternehmen ist einer der führenden Hersteller von Kopfhörern, Mikrofonen und drahtloser Übertragungstechnik. Sennheiser ist mit 21 Vertriebs-tochtergesellschaften und langjährigen Handelspartnern in über 50 Ländern aktiv und besitzt eigene Produktionsstandorte in Deutschland, Irland, Rumänien und den USA. Seit 2013 leiten Daniel Sennheiser und Dr. Andreas Sennheiser das Unternehmen in der dritten Generation. Der Umsatz der Sennheiser-Gruppe lag 2017 bei 667,7 Millionen Euro.
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