21.11.2014 Köln / Hannover

Auf dem Weg nach oben: 3D-Sound in der Praxis

Immersive Klangerlebnisse, welche dem realen Klangempfinden bei einem Konzert sehr nahe kommen oder alternativ auch neue Sound-Welten eröffnen, verspricht der Einsatz von elevierten Lautsprechern. Die Idee zu „Höhenlautsprechern“ ist dabei nicht neu, wird seit einiger Zeit jedoch von vielen vorangetrieben – erste A/V-Verstärker, welche parallel sowohl das Atmos-Verfahren der Dolby Laboratories als auch Auro-3D von Auro Technologies unterstützen, sind seit Kurzem im Consumer-Segment verfügbar. Zudem planen diverse Automobilhersteller, Fahrzeuge der gehobenen Kategorie künftig ab Werk mit 9.1-Lautsprechersystemen (oder noch umfangreicheren Konstellationen) auszurüsten.

Für Tonschaffende stellen sich in diesem Zusammenhang zahlreiche Fragen: Welche Möglichkeiten gibt es, um vorhandenes Material für eine Wiedergabe mit elevierten Lautsprechern aufzubereiten? Welche Mikrofonierung ist sinnvoll, um neue Aufnahmen in 3D-Sound zu erstellen? Wie werden die Lautsprecher für die Wiedergabe eingerichtet? Was ist bei der Mischung zu beachten?

Lautsprecher-Setup
Diplom-Tonmeister Gregor Zielinsky, Sennheiser International Recording Applications Manager, konnte bereits umfangreiche Erfahrungen mit 3D-Sound sammeln. Der Grammy-Preisträger ist weltweit tätig, hat seine „Studio-Homebase“ jedoch in Hannover im Sennheiser Studio 1. Abgehört wird dort mit einem 9.0-Abhörsystem, das sich aus neun Neumann Aktivlautsprechern KH 120 A sowie zwei aktiven Neumann Subbässen des Typs KH 810 zusammensetzt. Die Subwoofer werden nicht als LFE-Lieferanten herangezogen, sondern per Bassmanagement (Trennfrequenz 80 Hertz) in das Lautsprecher-Setup eingebunden.

Prinzipiell wird eine gemäß ITU-Empfehlung aufgebaute Surround-Anordnung durch vier Höhenlautsprecher erweitert. Bei der Einrichtung des Lautsprecher-Setups sollte darauf geachtet werden, dass die Elevation ungefähr die Hälfte der Stereobasisbreite beträgt. Die Höhenlautsprecher werden leicht geneigt, sodass sie nicht genau auf die Ohren des Hörers zielen, sondern leicht über dessen Kopf hinwegstrahlen. Bei der Positionierung der vorderen fünf Lautsprecher sollte so exakt wie möglich verfahren werden; die hinteren vier Lautsprecher sind hinsichtlich ihrer Ausrichtung etwas „geduldiger“.

Mikrofonierung
Da Mikrofonierungen für 3D-Aufnahmen derzeit noch nicht en détail definiert sind, wird in der Branche fleißig experimentiert: Gregor Zielinsky setzt im klassischen Konzertkontext als Basis eine A/B-Anordnung ein, wie sie auch für eine reine Stereoaufnahme zum Zuge kommen würde. Hinzu gesellen sich zwei Höhenmikrofone – Zielinsky nutzt zwei Sennheiser MKH 800 TWIN, die mit einer Einstellung zwischen Kugel und Niere betrieben werden. Komplettiert wird das Setup durch jeweils zwei Konterparts oben und unten, die weiter hinten stehen. Die Anordnung bezeichnet Gregor Zielinsky als 3D-Cube. Der „Mikrofonwürfel“ weist den einzelnen Kapseln ähnliche Positionen zu, wie sie später bei den Abhörlautsprechern im Studio anzutreffen sind.

Zukunftsweisend ist fraglos der Einsatz digitaler Mikrofone, wie sie von Sennheiser (MKH 8000 Serie mit Digitalmodul MZD 8000) und Neumann (Solution-D System) angeboten werden: „Wenn man ein Orchester vollständig mit digitalen Mikrofonen bei einer Wortbreite von 24 Bit und einer Abtastfrequenz von 96 kHz abnimmt, ergibt sich eine außerordentlich feine Klangwelt, in welcher selbst subtile Nuancen deutlich zu hören sind!“, weiß Gregor Zielinsky.

Upmix für Bowie
Sofern vorhandenes Material in 3D-Sound wiedergegeben werden soll, nutzt Gregor Zielinsky einen selbst entwickelten Algorithmus, der auf den Namen „Sennheiser 3D“ hört und aus in Mono oder Stereo verfügbaren Aufnahmen Klangwelten in 3D erzeugt. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das auf psychoakustischen Phänomenen basierende Verfahren im Sommer 2014 anlässlich der David Bowie-Ausstellung in Berlin nahegebracht.

Höhepunkt des audiovisuellen Ausstellungsrundgangs war eine außergewöhnliche, ohne Kopfhörer zu genießende 3D-Klanginstallation: Zu Videos von Bowie-Auftritten sowie diversem Footage-Material wurden die Besucher von bemerkenswert räumlich wirkender Musik umgeben, die über versteckt montierte Beschallungslautsprecher von Klein + Hummel wiedergegeben wurde. Trotz erheblicher Klangdefizite des zur Verfügung gestellten Ausgangsmaterials hüllte der Sound die Besucher „von oben bis unten“ ein und brachte – zur Freude aller Bowie-Fans! – bislang unentdeckte Details der historischen Musikaufnahmen zum Vorschein.

Gänsehaut-Feeling
Die Reaktionen auf 3D-Audio sind durchweg emotional: „Gänsehaut-Feeling“ ist nach dem ersten Hören eine beliebte Metapher – insbesondere, wenn den Anwesenden bekannte Titel im neuen dreidimensionalen Klanggewand präsentiert werden. Gregor Zielinsky hat beispielsweise das Meisterwerk „The Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd mit seinem 3D-Verfahren bearbeitet – bei jeder Vorführung sind offene Münder garantiert!

„Die 5.1-Wiedergabe ist 2D. Erst durch Höhenlautsprecher wird eine wirklich dreidimensionale Audiowiedergabe erreicht und die Auswirkung auf das individuelle Klangerleben ist für jeden Hörer unmittelbar nachvollziehbar“, so Gregor Zielinsky. „Auch Nicht-Profis sind bei Vorführungen sofort komplett begeistert und ich habe schon Leute im Publikum gesehen, denen die Tränen in den Augen standen, wenn sie die Musik ihrer Jugend in einem komplett neuen Klanggewand gehört haben. 3D-Sound ist ein unglaublich emotionales Erlebnis!“

Das nächste große Ding!
Interessant ist fraglos, welche Ästhetik genuine 3D-Projekte künftig verfolgen werden: Eine hyperrealistische Konzertatmosphäre mag bei Live-Mitschnitten in vielen Fällen erstrebenswert sein, aber die Gestaltungs- und Interpretationsmöglichkeiten für Tonschaffende fangen schon früh an und müssen nicht unbedingt plakativ ausfallen. Gregor Zielinsky etwa demonstriert bei Vorführungen von 3D-Sound gerne einen Auszug aus der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven – wer genau hinhört, stellt fest, dass einzelne Instrumente und der Chor bewusst weiter seitlich als gemeinhin üblich angeordnet sind und der Klang somit größer wirkt, als er während der Aufführung für Zuhörer in realiter zu erleben war. Bei allen Spielarten elektronisch erzeugter Musik sind der Kreativität natürlich keine Grenzen gesetzt, wobei stets auch das Empfinden des durchschnittlichen Hörers berücksichtigt werden sollte: Wenn das Schlagzeug unerwartet mit nennenswertem Pegel aus den hinteren Lautsprechern ertönt, ist eine Schrecksekunde garantiert!

Spannende Perspektiven eröffnen Wiedergabeverfahren wie das zunehmend an Beliebtheit gewinnende Audiostreaming oder die an mehrkanalige Formate angepasste Kopfhörerwiedergabe (Stichwort: „Virtual 3D“). Gregor Zielinsky ist vom 3D-Sound bereits jetzt restlos begeistert und blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Bei Sennheiser haben wir diverse Konzepte in der Pipeline und meiner Meinung nach ist 3D-Sound das nächste große Ding im Audiobereich!“


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Über Sennheiser
Die Zukunft der Audio-Welt zu gestalten und für Kunden einzigartige Sound-Erlebnisse zu schaffen – dieser Anspruch eint Sennheiser Mitarbeiter und Partner weltweit. Das 1945 gegründete Familienunternehmen ist einer der führenden Hersteller von Kopfhörern, Mikrofonen und drahtloser Übertragungstechnik. Sennheiser ist mit 21 Vertriebs-tochtergesellschaften und langjährigen Handelspartnern in über 50 Ländern aktiv und besitzt eigene Produktionsstandorte in Deutschland, Irland, Rumänien und den USA. Seit 2013 leiten Daniel Sennheiser und Dr. Andreas Sennheiser das Unternehmen in der dritten Generation. Der Umsatz der Sennheiser-Gruppe lag 2017 bei 667,7 Millionen Euro.
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