16.07.2014 Hannover

Der Schrei des Jedi-Ritters: Ben Burtt ist Hollywoods bedeutendster Sounddesigner und Vater des „Wilhelm-Schreis“

Ein Schrei schraubt sich unvermittelt in die Höhe, hält kurz ein gellendes Vibrato, bis er jäh abbricht wie ein Sturz ins Bodenlose. Der „Wilhelm-Schrei“ ist das bekannteste Geräusch der Filmgeschichte. In Hunderten von Filmen ist er zu hören, von Indiana Jones über Star Wars bis zur aktuellen Hobbit-Trilogie. Auch in Games wie Grand Theft Auto oder Assassin’s Creed wird er verwendet. Erfinder des „Wilhelm-Schreis“ ist die Legende der Tonkunst Ben Burtt. Er ist Hollywoods bedeutendster Sounddesigner. Sennheiser-Richtrohrmikrofone wie das MKH 416 oder MKH 816 waren zur Produktionszeit der ersten Star Wars-Trilogie weit verbreitet. Interessierte können ab sofort mehr darüber in der aktuellen Ausgabe der Sennheiser BlueStage lesen.

Es ist jedes Mal derselbe Schrei, recycelt aus einer Klangbibliothek: Luke Skywalkers Lichtschwert erledigt einen Gegner? Aaaaargh! Batman wischt einen Bösewicht zur Seite? Aaaaargh! Eine Riesenameise zerteilt einen Soldaten? Aaaaargh! Immer wieder, seit mehr als 60 Jahren. Allein das Youtube-Medley „Wilhelm Scream Compilation“ zeigt das gespielte Geheule in 152 Szenen.

Ben Burtt ist eine Legende des Sounddesigns. Manche behaupten sogar, dass der heute 65-Jährige das Berufsbild des Sounddesigners geformt hat, als ihn George Lucas 1977 beauftragte, die Geräuschkulisse für Star Wars aufzunehmen, zu bearbeiten und zu mischen – Jobs, die laut Burtt „ursprünglich ziemlich scharf voneinander getrennt“ waren. Für mehr als 50 Filme hat der Amerikaner seitdem Klangwelten geschaffen und Kunstsprachen entwickelt, von den Körperfressern (1978) über E.T. (1982) bis zu Lincoln (2012). Weltbekannte Geräusche wie das Brummen der Lichtschwerter oder das Fiepen des Droiden R2-D2 sind in seinem Studio entstanden.

Burtts Leidenschaft für Sound entstand, als er zehn Jahre alt war und in einem Dörfchen nördlich von New York lebte. Sein Vater schenkte Ben ein Tonbandgerät und ein Paar Kopfhörer: „Ich genoss es, mir meine Lieblingsfilme und -shows auf dem Kopfhörer anzuhören, und ich begann mich sehr dafür zu interessieren, wie die Geräuschkulisse eines Films mit seiner Bildsprache zusammenhing.“ Burtt landete auf derselben Film-Akademie wie vor ihm George Lucas – der Mann, der ihn später zu Hollywoods erstem echten Sounddesigner machen sollte und ihm damit auch die Gelegenheit geben würde, den berüchtigten Wilhelm-Schrei zu verbreiten.

Star Wars-Macher wollten natürliche Sounds
Zunächst jedoch machte sich Burtt daran, die Welt der Soundeffekte zu revolutionieren. Vor Star Wars setzten Science Fiction-Filme auf elektronisches Piepsen, Verzerrer und das ätherische Singen des Theremins. Die Star Wars-Macher wollten natürliche Sounds: „Weil wir eine visuelle Welt mit Rost und Dellen und Schmutz erschaffen wollten, wollten wir auch eine Klangwelt mit quietschenden Motoren, die nicht still und glatt laufen“, erinnert sich Burtt. „Klänge aus der echten Welt zu verwenden, schafft die Illusion, dass diese Vorstellungen glaubwürdig sind.“

Schon das erste Geräusch, das er so aufnahm, ist heute eine Klang-Ikone: Das Brummen der Lichtschwerter basiert auf dem Summen eines alten Filmprojektors an seiner Fakultät – gemischt mit einem Dopplereffekt, der zufällig entstand, als Burtt ein Mikrofon hinter der Bildröhre eines laufenden Fernsehers herführte. Später lieh Burtt sogar dem Erzbösewicht des Films seine Stimme, oder vielmehr seine Lunge. Als klar wurde, dass aus der lebenserhaltenden schwarzen Rüstung von Darth Vader ein schweres Atemgeräusch ertönen sollte, ging Burtt in den nächsten Tauch-Shop, atmete dort eine Stunde lang durch Tauchmasken und Atemgeräten, und nahm alles auf. Für das Star Wars-Universum entwickelte Burtt sogar eigene Kunstsprachen. So sprechen die knuddeligen Ewoks ein Pidgin aus Tibetanisch, Nepalesisch und mongolischem Kalmückisch. Die Sprache der reptilienartigen Hutten hingegen basiert auf der Inka-Sprache Quechua. „Ich schreibe die essenziellen Klänge einer Sprache phonetisch auf“, beschreibt der Designer den Prozess. „Dann arbeite ich mit Schauspielern, die spezielle Sprachtalente haben und nehme sie auf, wenn sie meine Phrasen nachsprechen. Häufig verarbeite und kombiniere ich ihre Sounds mit Tieren, wenn ein solcher Effekt gewünscht ist.“

Nicht alle Geräusche kreiert er selbst. So greift Burtt für manche Kampfszenen auf Warners umfangreiche Klangbibliothek zurück. Er erinnert sich an einen besonders markerschütternden Schrei aus dem 1953er Western „Der brennende Pfeil“, in dem eine Randfigur namens „Wilhelm“ von einem Pfeil getroffen wird. Der Soundschnipsel stammt ursprünglich aus einem Kriegsfilm und ist katalogisiert als „Mann wird von einem Alligator gebissen und schreit“. Burtt nennt ihn lieber den „Wilhelm-Schrei“ und setzt ihn exzessiv ein: Bald zieht jeder Fall, jede Explosion, jeder Schuss einen „Wilhelm“ nach sich. Als Burtt in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ ein Cameo als düsterer Oberst der imperialen Armee hat, imitiert er den Aufschrei sogar selbst. In der Szene, in der der Rebell Han Solo (Harrison Ford) ihn mit einer Ladung Dynamit ausschaltet, darf er endlich selber kreischen: Aaaaaargh!

Ben Burtt, Sennheiser und Boba Fett
Wie häufig ist Soundmagier Ben Burtt in seiner jahrzehntelangen Karriere mit Sennheiser-Mikrofonen in Berührung gekommen? Das kann niemand genau sagen. Sennheiser-Richtrohrmikrofone wie das MKH 416 oder MKH 816 waren zur Produktionszeit der ersten Star Wars-Trilogie weit verbreitet. In Fan-Foren wie „The Dented Helmet“ diskutieren Star Wars-Kenner noch heute, welche Kunstgriffe sich Burtt damals erlaubt hat – zum Beispiel beim Kostümdesign für den Kopfgeldjäger Boba Fett. Hat Burtt für den Raketenantrieb an den Schienbeinen der Kultfigur auseinandergeschraubte Sennheiser-Mikros aus seinem Fundus verbaut? Die Fans sind davon überzeugt – und kaufen sich alte Sennheiser „Shotgun Mics“ auf eBay, um sich Boba Fetts Kostüm nachzubasteln.

Mehr über Ben Burtt in der aktuellen Ausgabe der Sennheiser Blue Stage:
http://de-de.sennheiser.com/bluestage-magazin-staerke-ben-burtt-star-wars-sound-wilhelm-schrei

Drei berühmte Star Wars-Effekte des Soundmagiers Ben Burtt

R2-D2
Dem bekanntesten Droiden der Filmgeschichte verpasste Ben Burtt eine Stimme, die nur zur Hälfte aus Elektronik besteht. Den Rest der Sounds gewinnt Burtt aus Wasserrohren, Pfeifen – und wieder einmal seiner eigenen Stimme. So hört sich R2-D2 an.
http://www.filmsound.org/starwars/sentnc10.wav

Chewbacca
Han Solos haariger Ko-Pilot kommuniziert mit Grunzlauten, die Burtt aus Tierlauten zusammenstellte. Je nach Situation mischte er auf bis zu sechs Bändern die Geräusche von Walrossen, Schwarzbären, Löwen, Kamelen, Tigern, Dachsen und sogar Kaninchen. So hört sich Chewbacca an.
http://www.filmsound.org/starwars/wookie1.wav

Lasergewehr
Manchmal mag Burtt es einfach: Die Schüsse aus den Lasergewehren entstanden, indem er mit einem Hammer auf die gespannten Stahlseile einer Antennen-Anlage klopfte. So hören sich die Schüsse aus den Lasergewehren an.
http://www.filmsound.org/starwars/blaster.wav


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