18.12.2013 Hannover/Berlin

Snare Miking in den Hansa Studios Berlin: Heartbeat und Hard Beats

Die Mikrofonierung eines Drumsets ist eine komplexe Aufgabe: Mit welchem Mikrofon erzielt man den besten Klang und welche Positionierung bringt die vorteilhaftesten Ergebnisse? Beim Besuch namhafter deutscher Tonstudios erörtert die neue „Volume up! tunes. beats. production“-Kampagne des Audiospezialisten Sennheiser genau diese Fragen. Beim vierten Halt in den Berliner Hansa Studios gab Tonprofi David Hefti Auskunft zum Thema „Snare-Mikrofonierung“; den perfekten Beat steuerte Schlagzeuger David Haynes bei. Für das virtuelle Drum-Instrument „DrumMic'a!“ sind Presets und MIDI-Grooves aus den Hansa Studios verfügbar und können auf der Website www.DrumMica.de heruntergeladen werden. Ein Video-Interview sowie Tipps zur Snare-Mikrofonierung runden das Angebot ab.

David Hefti, gebürtiger Schweizer, begann seine professionelle Karriere bereits in jungen Jahren in einem eidgenössischen Tonstudio. Von dort führte ihn der Weg nach Hamburg in die renommierten Home Studios von Franz Plasa, wo er allerdings lediglich ein kurzes Intermezzo einlegte und nach einem Aufenthalt in den USA bis heute als Haus- und Hofingenieur der legendären Berliner Hansa Studios fungiert. Die Liste der von ihm betreuten Künstler und Projekte ist ebenso lang wie eindrucksvoll; aktuell ist Hefti als Toningenieur sowohl live als auch im Studio die erste Wahl für Yusuf (aka Cat Stevens).

Marble Room und Treppenhaus
In den Hansa Studios nimmt David Hefti das Schlagzeug bevorzugt im mit italienischem Marmor verkleideten Marble Room auf, der über eine lebendige Akustik verfügt und dem Schlagzeuger dank transparenter Türen Sichtkontakt zu anderen Musikern ermöglicht. Die Akustik lässt sich über Vorhänge und mobile Trennwände variieren und an individuelle Sound-Vorlieben anpassen. Der Raumklang wird in der Regel zusätzlich zur individuellen Mikrofonierung der Instrumente mit einem Mikrofonpärchen in Stereo eingefangen.

Als natürlicher Hallraum wird das nahe gelegene Treppenhaus genutzt: Die von einem Lautsprecher wiedergegebenen Signale werden hier ein Stockwerk tiefer mit einer kleinen A/B-Anordnung aus zwei Sennheiser MKH 40 eingefangen, die wegen ihrer Klangpräzision und ihres extrem geringen Eigenrauschens geschätzt werden.

Songdienlicher Snaresound
„Die Snare ist beim Schlagzeug sicher eines der interessanten Instrumente, da sie absolut prägend für den Sound einer Aufnahme ist“, weiß David Hefti. „Der Snaresound kann sowohl modisch als auch durch den jeweiligen Musikstil bedingt sein und es existiert kaum ein Instrument, bei dem es so viele No-Gos gibt: Man kann einfach keine typische Reggae-Snare in eine Synthiepop-Nummer mit 1980er-Jahre-Feel integrieren – das würde jedem Hörer sofort unangenehm auffallen!“

Losgelöst vom eigenen Geschmack ist laut Hefti beim Snaresound eine songdienliche Arbeit wichtig: Wenn es zum Genre passt, darf die Snare seiner Meinung nach durchaus einen eigenen Ton besitzen und sogar mit einem Ringing auf sich aufmerksam machen – selbiges sogar, wenn man als Engineer den betreffenden Klangcharakter eigentlich nicht mag.

Snare-Mikrofonierung
Wenn es richtig laut wird oder viel mit Rimshots gearbeitet wird, greift Hefti in der Regel zu dynamischen Mikrofonen, weil diese „mit den Signalspitzen besser umgehen können“. Wird hingegen moderat gespielt, setzt der erfahrene Tonmann gerne Kleinmembran-Kondensatormodelle ein. „Einer meiner Favoriten ist das Neumann KM 84, das von oben auf das Fell der Snaredrum zeigt“, berichtet Hefti. „Sofern es der Pegel erlaubt, nehme ich sehr gerne auch ein KM 56 – der Schlagzeuger darf dann allerdings nicht zu laut werden. Aus dem Portfolio von Sennheiser habe ich im Studio bereits das e 905 verwendet und in puncto Klang schätze ich auch das MD 441.“

Das Übersprechen durch die HiHat ist bei der Mikrofonierung der Snare meist nicht zu vermeiden. Laut Hefti wäre es jedoch der falsche Ansatz, das Mikrofon sehr nahe an das Schlagfell zu führen und es zu sehr auf dessen Mitte auszurichten – der verringerte HiHat-Anteil wird in einem solchen Aufbau nämlich durch einen dumpfen Klang erkauft, welcher dem eigentlichen Sound der Trommel nicht gerecht wird und sich zudem im Mix kaum noch „geradebiegen“ lässt. Sinnvoll ist der Einsatz eines Mikrofons mit nieren- oder supernierenförmiger Richtcharakteristik (zum Beispiel Sennheiser MD 441), da bei entsprechender Positionierung die HiHat-Anteile auf natürliche Weise gemindert werden.

David Hefti nimmt die Snaredrum fast immer zusätzlich von unten ab, um das charakteristische Schnarren des Teppichs bestmöglich einzufangen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das Betätigen des Phasenumkehrschalters, da es sonst unweigerlich zu Signalauslöschungen kommt. Hefti verwendet als „Snare Bottom“ gerne ein Großmembran-Kondensatormodell wie das M 269 c, manchmal jedoch auch ein Kleinmembran-Mikrofon wie das KM 56. Das Mischungsverhältnis aller Mikrofone wird später am Pult bestimmt. Heftis Tipp: „Den Anteil der Raummikrofone am Gesamtsound darf man nicht vernachlässigen, denn sie nehmen beim kompletten Drumset einen großen Anteil des Snaresounds auf.“

Herzstück
David Haynes versteht das Drumming als eine beinahe spirituell zu nennende Ausdrucksform. Bekannt ist der US-Amerikaner nicht zuletzt durch sein Fingerdrumming, bei dem er einen Drumcomputer oder Sequenzer über Drumpads beziehungsweise einen MIDI-Controller live in Echtzeit passend zum Song spielt. In den Referenzen von David Haynes sind Aufnahmen und/oder Live-Auftritte mit Musik-Ikonen wie Prince, Chaka Khan, Lee Ritenour, Mary J. Blige, Frank Ocean und Stanley Jordan gelistet. Haynes arbeitet derzeit sowohl im Studio als auch live mit Jazz-Größen wie Randy Brecker und Till Brönner.

Zur Rolle der Snare innerhalb des Drumsets äußert sich David Haynes wie folgt: „Die Snaredrum ist immer noch das Herzstück jedes Drumkits! Jeder Schlagzeuger, der regelmäßig auf Tour ist, wird dir sagen, dass er wenn nötig auf ein geliehenes Drumset zurückgreift – auf gar keinen Fall wird er jedoch auf seine eigene Snare verzichten!“

Als einen seiner Mikrofonfavoriten nennt Haynes das Sennheiser MD 421: „Dieses Mikrofon ist absolut beeindruckend an den Toms und man erhält mit ihm einen vollen Sound!“ Bei Konzerten nutzt David Haynes an den Rack Toms wie am Floor Tom oft Sennheiser e 904, sofern MD 421 nicht verfügbar sind. In die Kick legt der erfahrene Drummer gerne ein e 901, wenn er mit einer 22-Zoll-Bassdrum spielt. Bei kleineren Kickdrums setzt er hingegen auf das e 902, das auf einem Ständer vor dem Resonanzfell aufgebaut wird: „Bei einer 18- oder 20-Zoll-Bassdrum ohne Loch im Resonanzfell ist das der Hammer!“, so Haynes.

Gerade im Live-Einsatz schätzt David Haynes an der Snare nach eigenem Bekunden das Sennheiser e 905, weil es „selbst sehr hohe Schalldrücke problemlos wegsteckt und dabei einen großartigen Sound macht – es klingt genauso gut oder besser als ein dynamisches Mikrofon, das gemeinhin als Industriestandard für diese Aufgabe betrachtet wird.“

Get that perfect beat!
In welcher Form Mikrofonauswahl und -positionierung den Klang beeinflussen und wie genau sich die vorgenannten Mikrofone an unterschiedlichen Trommeln anhören, ist ab sofort auch ohne großes Studio nachvollziehbar: Mit der Freeware „DrumMic'a!“ liefern die Traditionsunternehmen Sennheiser und Neumann Musikern, Toningenieuren und Angehörigen der schlagwerkenden Zunft kostenfrei ein hochwertiges Softwarepaket, das als professionell einsetzbarer Sample Player auf Drumsounds spezialisiert ist und knapp 13.000 hochqualitative Samples (mehr als 9 GB) beinhaltet. „DrumMic'a!“ (sprich: Dramm-maik-ah) ist ein virtuelles Instrument für den KONTAKT 5 PLAYER von Native Instruments und kann sowohl als Stand-alone-Anwendung betrieben wie als Plug-in in alle gängigen Sequenzer eingebunden werden. Download und Registrierung auf www.DrumMica.de.

Das Video zu den Hansa Studios ist zu finden unter:
https://vimeo.com/81189558


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Die Zukunft der Audio-Welt zu gestalten und für Kunden einzigartige Sound-Erlebnisse zu schaffen – dieser Anspruch eint Sennheiser Mitarbeiter und Partner weltweit. Das 1945 gegründete Familienunternehmen ist einer der führenden Hersteller von Kopfhörern, Mikrofonen und drahtloser Übertragungstechnik. Sennheiser ist mit 21 Vertriebs-tochtergesellschaften und langjährigen Handelspartnern in über 50 Ländern aktiv und besitzt eigene Produktionsstandorte in Deutschland, Irland, Rumänien und den USA. Seit 2013 leiten Daniel Sennheiser und Dr. Andreas Sennheiser das Unternehmen in der dritten Generation. Der Umsatz der Sennheiser-Gruppe lag 2017 bei 667,7 Millionen Euro.
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