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Das Feuer, ein meisterhafter Geschichtenerzähler
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Das Feuer, ein meisterhafter Geschichtenerzähler

Wenn wir gut zuhören, bekommen wir am Feuer nicht nur die spannendsten Geschichten erzählt, sondern erfahren auch noch etwas über die Geschichte des Holzes, das für uns brennt.

 

Die besten Geschichten werden am Feuer erzählt. Das war schon immer so. Seit die Menschen eine gemeinsame Sprache gefunden haben, geben sie Legenden, Berichte und Märchen weiter. Nebenbei knackt das Holz im Feuer. Dass nicht jede Geschichte unverändert weitergegeben wird, liegt in der Natur der Sache - so können Stories sich verändern und weiterentwickeln.

Am Anfang unserer Existenz war das Feuer weniger ein sympathisch vor sich hin knackender Wärmespender, sondern vielmehr eine bedrohliche Naturgewalt. Es kam durch Blitze, die in Bäume einschlugen, oder durch Vulkanausbrüche auf uns zu, und unsere Vorfahren brauchten lange, um zu erkennen, dass sie sich die Flammen auch zunutze machen können.

 

Es vertreibt Gefahren und lässt uns wachsen.

Frühe Menschen begannen, das in der Natur entstandene Feuer zu nutzen, indem sie Äste und Blätter entzündeten und in ihrem Lager weiter brennen ließen. Statt stundenlang auf Wurzeln und rohem Fleisch herum zu kauen, begannen sie, mit Gar-Prozessen zu experimentieren. Der Vorteil von warmem Essen: Ungenießbare Wurzeln wurden genießbar und heißes Fleisch war für die Verdauung bekömmlicher. Die neue Art des Verzehrs lieferte viel mehr Energie für den immer aktiven Körper – und ließ zudem unser Gehirn wachsen, hatte also einen direkten Einfluss auf die Evolution der Menschheit. Kurzum: Wir wurden intelligenter.

In Zeiten der ersten Siedlungen begannen wir, dem Feuer Einhalt zu gebieten, Regeln fest zu legen, wo im Lager das Feuer gemacht werden darf – und uns Geschichten zu erzählen. Es war die Steinzeit, in der wir entdeckten, dass ein Pyritbrocken und ein Feuerstein, wenn wir sie aneinanderstießen, jene Funken entwickelten, mit denen wir selbst ein Feuer entzünden konnten. Der Birkenporling und der Zunderschwamm, besonders feuerfreundliche Pilze, dienten als Anzünder. Die Fähigkeit, Feuer zu entzünden und es zu kontrollieren, ist eine der großen essenziellen Errungenschaften der Menschheit und hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren.

 

Story image

 

Das Knacken des Feuers erzählt Geschichten.

Wer selbst ein Feuer entzündet, muss dies nicht nur zur Untermalung der eigenen Geschichte tun, wir können auch einfach zuhören, was das Knacken des Brennholzes uns erzählt - seine eigene Lebensgeschichte zum Beispiel.

Wie sehr ein Holz knackt, hängt vom Verhältnis der Feuchtigkeit innerhalb des Holzes ab. Beim Anzünden verdampft das Wasser zunächst in den äußeren Schichten. Diese ziehen sich recht schnell zusammen. Da das Holz meist im Inneren noch wesentlich feuchter ist als außen, entsteht beim Brennen viel Spannung, die sich entladen muss, und bei Hohlräumen im Holz kommt es buchstäblich zu kleinen Explosionen, die beim gemütlichen Lagerfeuer für die beliebten Überraschungseffekte sorgen. Je länger das Holz also abgelagert ist, umso weniger wird es Funken schlagen.

 

Holzarten haben eine eigene Brenn- und Klang-Signatur.

Fichte brennt schnell und zischt dabei eilig. Zum Anbrennen ist sie ideal, allerdings muss man schnell nachlegen. Ähnlich kräftig brennt auch die Eiche, dafür hat man länger Freude an ihr (es sei denn, sie ist schlecht gelagert und feucht, dann riecht sie unangenehm).

Wer es gerne knacken und knistern lässt, wird sich für das leidenschaftliche Feuer der Kiefer entscheiden. Zu den ruhigeren und wenig auf Effekte bauenden Vertretern zählen Birke und Buche – sie brennen leise und gleichmäßig vor sich hin. Wer einen angenehmen Geruch hinzufügen möchte, wird sich für Holz mit hohem Harz-Anteil entscheiden: die Lärche zum Beispiel.

Wenn wir gut zuhören, bekommen wir am Feuer nicht nur die spannendsten Geschichten erzählt, sondern erfahren auch noch etwas über die Geschichte des Holzes, das für uns brennt.

 

istockphoto by GettyImages