Skip to Content
Den Klang von Weihnachten mit Mikrofonen einfangen
zurück

Den Klang von Weihnachten mit Mikrofonen einfangen

Süßer die Glocken nie klingen…

„Leise rieselt der Schnee“ in vielen Regionen, und „Driving home for Christmas“ erklingt im Autoradio – auch in diesen besonderen Zeiten. Es ist der Moment der großen Emotionen, und manch ein Herz schlägt höher, wenn es sich an „Last Christmas“ erinnert, während der Refrain von „All I want for Christmas is You“ zum melancholischen Ohrwurm gerät. Doch all die gefühlvoll zusammengestellten Playlists, die uns die Pandemie für einen kurzen Moment vergessen lässt, können nur dann zum Fest der Liebe zelebriert werden, wenn vorab die typischen Weihnachtsklänge mit den passenden Mikrofonen eingefangen werden.

Klangexperimente in den eigenen vier Wänden

Wie sich die musikalische Weihnachtsstimmung mit Sennheiser Mikrofonen bestmöglich einfangen lässt, weiß Carsten Kümmel: Der bekannte Klangexperte ist nicht nur langjährig erfahrener Diplom-Tonmeister, sondern unterrichtet auch als „Professor for Public Address and Live Recording“ an der Hochschule Darmstadt.

Kümmel verrät Tipps und Tricks für perfekte Aufnahmen: „Es muss nicht zwangsweise immer ein MKH-Kondensatormikrofon aus der Profiklasse sein“, sagt der Audiofachmann. „Auch mit einfacheren dynamischen Mikrofonen, für die man nicht ganz so tief in die Tasche greifen muss, lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen! Voraussetzung ist allerdings, dass man die Mikrofone richtig einsetzt.“

Der bekannte Klangexperte Carsten Kümmel ist  langjährig erfahrener Diplom-Tonmeister und unterrichtet als „Professor for Public Address and Live Recording“ an der Hochschule Darmstadt Copyright : Trine Thybo
Der bekannte Klangexperte Carsten Kümmel ist  langjährig erfahrener Diplom-Tonmeister und unterrichtet als „Professor for Public Address and Live Recording“ an der Hochschule Darmstadt Copyright : Trine Thybo

Wenn es irgendwie möglich ist, soll man beim Home-Recording laut Carsten Kümmel darauf achten, dass der Aufnahmeraum nicht zu gering dimensioniert ist, weil die Aufzeichnung sonst „klein“ klingt, was sich auf den Sound eher negativ auswirkt. Der Effekt wird durch die so genannten Erstreflexionen („Early Reflections“) ausgelöst, welche in kleinen Räumen sehr früh sowie mit hoher Intensität auf die Mikrofonmembran treffen - ein geräumiges Wohnzimmer bietet sich somit eher für eine gut klingende Aufnahme an als die beengte Abstellkammer. Ist ein halliges Klangbild gefragt, laden außerdem sogar Treppenhäuser oder Badezimmer zum Experimentieren ein.

Zusammenfassend übt der Raum, in dem aufgenommen wird, grundsätzlich erheblichen Einfluss auf den Klangcharakter einer Aufnahme aus. Wenn man es geschickt anstellt, bieten die eigenen vier Wände hier bereits einiges an Möglichkeiten.

Kamin knistern, Kekse knabbern und Rentiere

Wichtig für natürlich klingende Aufnahmen ist ein geeigneter Abstand zwischen Mikrofon(en) und Schallquelle, damit sich eine ausgewogene Räumlichkeit einstellen kann – im Fall des knisternden Kaminfeuers verbietet es sich aus unmittelbar einsichtigen Gründen ohnehin, mit Mikros jeglicher Art zu nahe an die lodernden Holzscheite heranzugehen. Ziel ist immer ein vorteilhaftes Verhältnis zwischen Direktschall und den aus dem umgebenden Raum resultierenden Reflexionen („Nachhall“).

Bei Aufnahmen im Wald muss man sich selbstverständlich nicht mit Raumreflexionen befassen – will man im Freien also Schritte im Schnee oder knackende Äste aufzeichnen, kann man sich problemlos nahe an das Objekt der Audiobegierde heranwagen. Obacht ist allerdings bei Rentieren in freier Wildbahn geboten: Hier würde man tendenziell eher in sicherer Entfernung das Tarnzelt aufschlagen und ein Richtrohrmikrofon wie das Sennheiser MKH 70-1 oder das MKH 8070 einsetzen, um das heisere Röhren oder die typischen, beim Gehen entstehenden Klicklaute der pflanzenfressenden Paarhufer einzufangen.

Zur Erzeugung von Geräuschen, die aus genussvollem Keksknabbern oder dem schluckweisen Schlürfen von heißem Glühwein resultieren, sollten sich in der Vorweihnachtszeit leicht engagierte Recording-Partner finden lassen – sofern die Aufnahmen besonders eindrucksvoll und „larger than life“ wirken sollen, kann man sich mit dem impulstreuen, auch für hohe Schalldrücke bestens geeigneten Sennheiser MD 441-U oder dem legendären Sennheiser MD 421-II so dicht wie möglich am Schallereignis positionieren und die Resultate eventuell gleich noch in einem zur Jahreszeit passenden ASMR-Video auswerten.

Als Faustregel gilt: Je größer die Schallquelle, desto größer der Abstand! Das bedeutet allerdings nicht, dass man sich zur Aufnahme von weihnachtlichem Kirchengeläut mit den Mikrofonen drei Straßen entfernt oder in ländlichen Regionen gar im nächsten Dorf aufstellen muss – ein Richtrohrmikrofon wie das allseits beliebte Sennheiser MKH 416-P48U3 kann hier das Tool der Wahl sein. Manchmal bewirkt übrigens ein freundliches Gespräch mit den Gemeindeverantwortlichen wahre Wunder bezüglich der Recording-Optionen – bitte in diesem Fall dann im Turm in unmittelbarer Nähe zum Glockenstuhl aber den Gehörschutz nicht vergessen…

Klingeling mit „Jingle Bells“

Zu den musikalischen Weihnachtsklassikern schlechthin gehört „Jingle Bells“, das einen wesentlichen Teil seiner Popularität dem Gedanken an eine heitere Schlittenfahrt durch eine Schneelandschaft verdankt: Das Zugpferd trabt munter vor sich hin und sorgt mit seinen Bewegungen dafür, dass die am Riemen befestigten Glöckchen rhythmisch läuten.

„Um ein solches Signal oder auch Glöckchen jedweder Art abzunehmen, eignet sich das Sennheiser e 914 ganz hervorragend!“, sagt Carsten Kümmel. „Beim e 914 handelt sich um ein hochqualitatives, aber dennoch bezahlbares Kondensatormikrofon mit exzellenter Dynamik, das von Profis dank seines seidigen Höhencharakters gerne auch für die Mikrofonierung einer HiHat oder als Overhead-Lösung eingesetzt wird. Mit einem vernünftigen Abstand von 80 cm oder einem Meter eignet sich das e 914 ganz wunderbar für einen Glockenriemen! Selbstverständlich kann man - sofern vorhanden - auch ein dynamisches Handmikrofon wie etwa das Sennheiser e 935 heranziehen, wobei man in diesem Fall den Abstand zur Schallquelle etwas geringer wählen würde.“

Hier geht es zu Teil 2.