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Ist da jemand?
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Ist da jemand?

Die Voyager Golden Record

Anyone out there?  Was, wenn es Leben außerhalb unseres Sonnensystems gibt? Was möchten wir als Menschheit hinterlassen und wie soll man uns kennenlernen? Den Versuch einer Antwort auf diese großen Fragen liefert die Voyager – und mit ihr die außergewöhnlichste goldene Schallplatte des Universums.

Seit 43 Jahren ist sie unterwegs: die Raumsonde Voyager. Eigentlich sind es zwei, Voyager 1 und die bereits 16 Tage zuvor gestartete Voyager 2. Die einfache wie unglaubliche Mission: den Weltraum dort erforschen, wo wir es als Menschen (vielleicht) nie hinschaffen werden. Dabei sollen immer wieder Daten auf die Erde gesendet werden, so dass wir lernen und erfahren, was „da draußen“ ist. Und Voyager macht den Job. Nachdem der Jupiter und der Saturn bereits angeflogen und die Welt mit unglaublichen Bildern ferner Planeten versorgt wurde, trat Voyager 1 im Jahr 2012 als erstes von Menschen geschaffenes Objekt in den interstellaren Raum ein.

 

Mit an Board: The Voyager Golden Record.

“The Sounds of Earth” ist der Titel einer goldenen Schallplatte mit Bild- und Audiodaten, die sich seit 1977 an Board beider Voyager befindet. Sie wurde in der Hoffnung hergestellt, intelligenten außerirdischen Lebensformen von der Menschheit und der Erde berichten zu können.

Mit einer geschätzten Lebensdauer von 500 Millionen Jahren würde die Platte die Menschheit sogar überleben. Wer liebevoll Schallplatten sammelt und auflegt, weiß, dass selbst die beste Vinylpressung nicht so lange leben wird – woraus hat die NASA sie also gemacht?

 

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Die Platte ist eine 12“-große Datenplatte aus Kupfer, die zum Schutz vor Korrosion mit Gold überzogen ist. Während eine Seite anmutet wie herkömmliche Tonträger mit einem Label, befindet sich auf der Rückseite eine symbolische Erklärung, wie die Daten abgespielt werden können. Die dazu nötigen Zeitangaben sind binär und beziehen sich auf ein ebenfalls dargestelltes Wasserstoffatom. Zusätzlich wird die Position unserer Sonne gezeigt. Die Schallplatten enthalten analog gespeicherte Bilder und Audiodateien. Dazu gehören gesprochene Grüße in 55 verschiedenen Sprachen – der deutsche Text lautet: „Herzliche Grüße an alle“ – sowie Klänge wie Wind, Donner und Tiergeräusche. Darauf folgen 90 Minuten ausgewählter Musik, und somit der vierte und letzte Abschnitt der Datenplatte. Die Stücke decken zahlreiche Genres ab, wie z.B. Ballett, Jazz, Kammermusik, Klavier, Mariachi, Qin, Shakuhachi und diverse Volksmusik. Neben ethnischen Klängen sind auch bekannte Titel von Bach (interpretiert von Glen Gould), Mozart und Chuck Berry dabei.

 

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Gebrauchsanweisung für den Planeten Erde.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten mit dem Planeten Erde und der darauf lebenden Spezies Mensch in Kontakt treten. Hier ist das User Manual:

 

  1. Binärcode (I: binär 1: - : binär 0) für die richtige Abspielgeschwindigkeit der Aufnahme (3,6 Sekunden/Umdrehung); die Zeitangabe basiert auf der Übergangszeit des Wasserstoffatoms (0,70 x 10‘ Sekunden), Umrisszeichnung des Tonabnehmers mit der Abspielnadel (an Board der Raumsonde vorhanden), Draufsicht der Schallplatte
  2. Vorderansicht des Tonabnehmers,Vorderansicht der Schallplatte,Abspielzeit, eine Seite = - 1 Std.
  3. Die Position unserer Sonne anhand von 14 Pulsaren, die in bekannter Richtung zur Sonne liegen. Der Binärcode gibt die Frequenz der Impulse wieder.
  4. Die beiden niedrigsten Zustände des Wasserstoffatoms. Die vertikalen Linien mit den Punkten geben das Drehmoment für Proton und Elektron an. Der Übergang von einem Zustand in den anderen ist die Referenzzeit, auf die sich die Diagramme auf der Rückseite der Platte und die dekodierten Bilder beziehen.
  5. Die folgenden Diagramme beziehen sich auf die Videodaten der Platte: ideo-Einzelbild, das die Scan-Richtung zeigt. Der Binärcode gibt die Zeit jedes Scan-Durchlaufs an (512 vertikale Linien per komplettem Bild), bei richtiger Dekodierung erscheint als erstes Bild ein Kreis.
  6. Scan-Auflösung
  7. Der Binärcode gibt die Scan-Zeit an (- 8 MS)
  8. Allgemeine Wellenform des Videosignals auf der Platte

 

Die Platte erzeugte besonders in den Anfangsjahren große Aufmerksamkeit – es war schließlich das erste Mal, dass man versuchte, die Erde in Bild und Ton festzuhalten. Kritiker bemängelten allerdings, dass das Material die Menschheit vornehmlich in einem positiven Licht erscheinen lassen sollte und Naturkatastrophen, Kriege und Umweltverschmutzung ausklammerte. Wenn wir jedoch ehrlich zu uns selbst sind: Würden wir bei einem Kennenlernen mit einer anderen intelligenten Spezies nicht alle zunächst unsere positiven Eigenschaften aufzählen?

 

Alles ist vergänglich – selbst im Weltall.

Auch für die Voyager gelten dieselben Regeln wie auf der Erde: Alles ist endlich. 2023 wird man die letzten wissenschaftlichen Elemente deaktivieren müssen – dann ist die Energie der Sonde aufgebraucht. Bis dahin glauben wir weiter daran, dass da noch was ist in der unendlichen Weite des Weltraums, das unsere Bekanntschaft machen möchte. Denn die Platte kann auch in Millionen von Jahren noch abgespielt werden, wenn eine intelligente Spezies vor lauter Neugier die Gebrauchsanweisung auf der Platte richtig zu deuten weiß. Und wer weiß, vielleicht sind die Klänge der Erde Grund genug, unserem Planeten einen Besuch abzustatten.

 

istockphoto by Getty Images, NASA