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Lauren Babic: Die hohe Kunst des Schreiens
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Lauren Babic: Die hohe Kunst des Schreiens

Artist Spotlight - Interview

Lauren Babic schreit und singt in Bands wie Red Handed Denial und CrazyEightyEight und ist dieser Tage viel beschäftigt - als Voice Coach, erfolgreiche Live Streamerin und YouTuberin. Addie von der amerikanischen Alternative-Band HaloScene spricht mit ihr über ihre musikalische Sozialisation und darüber, wie sie in der Pandemie neue Wege geht, um ihr Publikum zu erreichen.

 

Addie: Sprechen wir ein wenig über die '"kleine" Lauren. Wann hast du mit dem Singen angefangen?

Lauren: Das ist eine nette Geschichte. Ich bin mit ziemlich viel Musik um mich herum aufgewachsen. Und ich war eigentlich Instrumentalistin, als ich anfing. Ich habe erst später damit begonnen, meine Stimme einzusetzen.

 

Was hast du damals gespielt?

Ich habe mit vier Jahren angefangen, Piano zu spielen bis ich etwa vierzehn war. Das war ziemlich formell, regel-orientiert, ziemlich kalt. Ich hab's gehasst. Und ehrlicherweise habe ich das meiste davon auch vergessen. Ich habe mich innerlich dagegen gewehrt. Ich wollte eigentlich kreativ damit umgehen und nicht nur Regeln befolgen mit einem Lehrer, der immer nur Fehler moniert und sagt, nein, das musst du so spielen, wie es geschrieben wurde. Ich habe das dann für eine lange Zeit einfach aus meinem Kopf gestrichen. Und mit dem Singen habe ich erst so mit sechzehn, siebzehn angefangen. Ich habe vorher eigentlich nie gesungen, außer allein zu hause, unter der Dusche und zu Bands, die ich mir selbst angehört habe. In meinem ersten Jahr an der Uni gab es diesen Aufruf auf MySpace, "Band sucht Sängerin" - und ich dachte, weißt du, ich mache das einfach mal, ich versuch's. Der erste Moment, in dem ich wirklich vor anderen Leuten gesungen habe, war auch gleich schon das Casting für Red Handed Denial.

 

Auch mit all dem Geschreie?

Ich hab das einfach nur gelernt, indem ich mir Bands angehört habe, die ich mochte, und, na ja, ich habe das nachgemacht - und bin natürlich großartig gescheitert. Und habe meine Stimme ziemlich drangsaliert. Eigentlich basiert mein ganzer Werdegang als Sängerin nur auf dem Selbstversuch. Ich habe in der Tat erst vor anderthalb Jahren angefangen, wirklich Stimmübungen zu machen und ein Training.

 

Singen ist ja etwas, was wir alle irgendwie tun - nicht dass ich damit sagen will, dass das dann auch immer gleich super ist - aber es Teil unseres Lebens, wir machen das irgendwie recht intuitiv und natürlich. Ich habe erst verstanden, was dahintersteckt, als ich mir Bands angehört habe, in denen eine Frontfrau sich die Seele aus dem Leib geschrien hat. Und als Frau dachte ich dann, wow, das geht also. Ja, ich könnte das auch. Singen kann was ziemlich Einschüchterndes haben, und Schreien umso mehr.

Klar, weil das eben auch was für Kerle ist - so sehr wir als Frauen auch nicht zugeben wollen. Das ist eine von Männern dominierte Sparte. Und das macht es für uns auch so einschüchternd.

 

Deshalb ist es auch so cool, dass du einfach die Initiative ergriffen hast. Ich habe dich mit allerhand Instrumenten jammen sehen. Was spielst du noch?I

Ich habe ab und an mit der Gitarre rumgespielt. Ein Paar Akkorde, einfach nur zum Songwriting. Bass. Ich liebe den Bass, das ist wirklich das coolste Instrument auf der Welt.

 

Mir geht das immer so, dass ich in Songs den Bass kaum höre. Es gibt da ja diesen Witz, dass Bassisten eigentlich gescheiterte Gitarristen sind - was ich natürlich nicht glaube. Wie hat der Bass denn deine Aufmerksamkeit erlangt?

Es ist in der Tat ein Instrument, das kaum einer bemerkt, das aber immer da ist. Wenn du aus einem Song den Bass rausnehmen würdest, wäre es nicht mehr derselbe Song. Er ist so ein bisschen der Hidden Champion in einem song, und das liebe ich so daran.

 

Das Video-Interview in voller Länge seht ihr auf unserem neuen YouTube-Kanal "The Pulse, powered by Sennheiser".

 

Du hast mit deinen drei Projekten und Bands Erfahrung darin, wie man es klassisch macht mit Touring, aber du hat auch deinen eigenen YouTube-Kanal. Wie war das in der Pandemie? Ich kann mir vorstellen, dass dir das Touren fehlt. Was hat die Pandemie mit dir gemacht, das dein Leben in der Zeit beeinflusst hat?

Die Pandemie ist in der Tat was ziemlich bitter-süßes für mich. Als ich 2012 mit dem YouTube-Ding angefangen habe, da ging es mir ja eigentlich nur darum, mir ein Forum zu schaffen, in dem ich selbst zur besseren Sängerin werde. Ich war da ja noch nicht wirklich gut drin. Die Band hingegen hat jetzt wirklich einige Entscheidungen treffen müssen, um alles irgendwie am Laufen zu halten. Wir konnten keine Gigs spielen, wir konnten unser Album in den Staaten nicht aufnehmen - wir kamen ja nicht mal über die Grenze (von Kanada in die USA). Wir waren so an die konventionellen Wege gewöhnt - aber zur selben Zeit, im vergangenen Jahr, bin ich unheimlich an mir selbst gewachsen, was dann natürlich auch einen guten Effekt auf die Band hatte. Ich denke, am Ende wird alles gut werden.

 

Was bedeuten dir all diese Projekte? Du hast ja gesagt, dass du gar nicht damit gerechnet hattest, dass dein YouTube-Kanal einmal so gut laufen würde… Und: Ich mag dein... darf ich das so nennen... Pop-Album?

Klar, es ist ja eins.

 

Ich liebe das. Aber zurück zu deinen Projekten: Haben sie alle ihren festen Platz oder bedingen sie sich gegenseitig? Worum geht's da?

Ich glaube, ich will einfach so viele Wege, meine Kreativität zu nutzen und in die Welt zu setzen, haben wie möglich. Red Handed Denial ist schon sehr speziell, sehr hart, sehr progressiv ... sehr technisch. Auch bestimmt nicht für jeden gemacht. Es hat seinen eigenen Stil. Und da passen viele Sachen, die ich sonst so machen will, gar nicht rein. CrazyEightyEight ist da eher Jareds Baby. Da kann er all die organisatorischen Sachen machen, während Red Handed Denial dann viel von meiner Zeit beansprucht. Und dann sind da noch dieser YouTube-Kanal und meine Solo-Sachen. Da geht's dann um alles, was mir sonst noch so einfällt - auch eine bekloppte Pop-EP. Das geht dann immer so: "Weißt du, ich glaube, das mache ich jetzt einfach."

 

Ich bin froh, dass du das gemacht hast, denn sie ist wirklich gut. Meine Wurzeln sind ja auch im Pop. Wenn ich dann jemanden höre, der einfach so viele verschiedene Stile vereinen kann und dann auch noch nicht nur schreit, sondern einen Song macht, zu dem ich tanzen kann (also, meine Art des Tanzens) ...I

... Ja, da geht es darum, was man gerne hört. Ich höre so viel verschiedene Musik, so viele Künstler inspirieren mich einfach... Manchmal denke ich, hey, ich will einen Bruno Mars Song machen - und dann passt das natürlich irgendwie nicht.

 

Lass uns kurz über Twitch reden. Du hast ja neulich mit dem Livestreaming angefangen. Was macht Livestreaming für dich, was du bisher noch nicht entdeckt hast?

Ich denke, bei all dem Social Media und YouTube, hat Twitch eine ziemlich einzigartige Rolle, das es mir erlaubt, wirklich eine Realtime-Connection mit meinem Publikum zu haben - das kriegst du sonst nirgends. Ich war da gerade an dem Punkt angekommen, an dem ich dachte, dass dieses ganze Social-Media-Ding ziemlich toxisch sein kann - und mir fehlte das Persönliche. Ich habe Twitch einfach ganz allein für mich genutzt - weil ich nicht allein sein wollte. Wir fühlen uns immer so unheimlich connected auf Social Media, am Ende sind wir aber doch alle ziemlich alleine. Twitch ist da anders, da bist du buchstäblich mit Leuten im Moment. Das hilft mir, mich besser zu fühlen. Das habe ich tatsächlich aber mit Null Erwartungen angefangen.

 

 

Es scheint, dass du vieles mit Null Erwartungen startest und sich das dann als ziemlich gut für dich entpuppt.

Das ist wahrscheinlich schon mein ganzes Leben lang so etwas wie mein Mantra. Ich bin zur Uni gegangen, hab mein Teacher's Degree, ... Als ich aufwuchs, haben meine Eltern mir gesagt: "Musik ist kein Weg für dich. Du musst dir einen vernünftigen Job suchen, mit einem Gehalt, einer Versicherung..." Das hat sich mir ins Hirn gebrannt, dass Musik immer nur ein Hobby für mich sein wird. Also hatte ich auch nie große Erwartungen an all das. Erst vor kurzem habe ich zu mir selbst gesagt: Ich will das und ich mache das auch. Ich habe also meine Entscheidung getroffen, und seitdem geht es mir super.

 

Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu persönlich, aber wie denken deine Eltern heute darüber?

Oh, das war ein langer Weg für sie. Das liegt daran, dass sie sich um mich sorgen und wollen, dass ich erfolgreich bin. Sie verstehen aber immer noch nicht, was das alles ist. "Was, das ist ein Job? Du machst Geld damit?" Es ist einfach zu unkonventionell für sie. Ich erwarte aber auch nicht, dass sie das in Gänze verstehen. Sie fangen langsam an zu verstehen: "Oh, das kann man also auch machen." Ich glaube, ich musste immer irgendwie für alles kämpfen. Es geht mir gut damit - und ich weiß heute genau, was ich will. Ich hatte nie hohe Erwartungen und habe umso mehr genossen, was sich ergeben hat.

 

Wenn dich auf der Straße jemand fragt, was du job-mäßig machst, was antwortest du dann?

Ich sage einfach, ich bin Musikerin. Das ist das, was mir sofort einfällt. Und dann müsste ich eigentlich ein Notizbuch dabei haben und die Liste runterlesen: "Und dann mache ich noch das, das, und das, das mache ich auch noch." Die Frage ist kompliziert. Das ist dann schon ein ziemliches Monster von einem Gespräch.

 

Es ist in der Tat schwer zu beschreiben, vor allem, sowie es dann darum geht, was eigentlich ein Livestream ist... da wird's schwierig. Mit all den Bands, die du hast und wo du überall im Internet auftauchst, ist das bestimmt ein Monster von einem Gespräch.

Ist es.