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Rislane El Harat: "Muted" - Schweigen gegen die Stille
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Rislane El Harat: "Muted" - Schweigen gegen die Stille

Artist Spotlight

Rislane El Harat, Soul-, Rock- & Jazz-Künstlerin aus Zürich, kommt in Zeiten des Lockdowns zu einer Erkenntnis, die in einem ungewöhnlichen Plan mündet: Musik ist für sie viel mehr als Klang und Showspektakel. Die Seele der Musik ist für sie die Begegnung mit anderen Menschen. Sie beschließt ihr unveröffentlichtes Album „NEWLAND“ schweigend dem Publikum zu präsentieren. Als Tonkulisse einer stummen Ausstellung, in der die Sängerin selbst zum Schauobjekt wird. Sitzend auf einem Stuhl. Nur mit Augenkontakt zum Gegenüber. Umgeben von Fotos, Plänen und ihren Bühnenutensilien. Schweigen als Spektakel.

„Ich habe mich im letzten Jahr als Musikerin oft gefühlt, als sei ich zum Schweigen gebracht worden“, erklärt Rislane die Situation, in der sich seit Monaten so viele im Kulturbetrieb befinden. „Ich wollte das mit meinem Publikum teilen. Normalerweise hätte ich wohl einen Song darüber für mein nächstes Album geschrieben.“ Mit einem Song eine Verbindung zum Publikum aufzubauen ist schwieriger geworden, vor allem wenn uns die Orte fehlen, an denen das möglich ist, denn: „Zu einem Konzert gehört ja viel mehr: die Verbindung während des Gigs zu den Besucher*innen, der Kontakt zu den Veranstalter*innen, das Gespräch mit Fans nach dem Auftritt…“

 

„Muted“

Rislane inszeniert in der Photobastei in Zürich eine Performance, die Sinnbild ist für das Verstummen, das Sänger*innen und Kulturschaffenden im Zuge der Corona-Pandemie aufgezwungen wurde. „Muted“ – ein Konzert als stille Ausstellung. Die Künstlerin „mutet“ sich, je nach Buchungen, 3-4 Mal am Tag. Maximal vier Personen sind pro 45-minütiger Performance zugelassen, anders geht das nicht, das fordern die Regularien. Wer ist dieses Publikum, das sich darauf einlässt – und wie reagieren die Gäste auf die schweigende Musikerin?

„Die machen das alle ganz super“, lacht Rislane. „Sie müssen mich ja auch nicht 45 Minuten lang anstarren. Im Hintergrund läuft das Album, und das macht schon die Tür auf für eine Verbindung. So ist es ein Unterschied, ob gerade ein Uptempo-Song läuft oder eine Ballade. Das triggert die Kontaktaufnahme anders und es entsteht etwas Spannendes.“ Mittlerweile hat sich ihre Performance in Zürich gut herumgesprochen, so dass neben Menschen, die bereits ihre Konzerte besucht haben, auch Gäste kommen, die erst durch ihre Ausstellung mit ihrer Musik Kontakt aufnehmen. „Und am Ende sprechen wir dann ja doch. Ich nehme mir nach den 45 Minuten auch immer die Zeit für ein kurzes Treffen.“ Ihre Besucher*innen erzählen ihr dann davon, wie sie sie dazu inspiriert hat, endlich einmal wieder ein Album in voller Länge – bewusst – zu hören. Das gehört zu den Dingen, die wir dank Rislanes Ausstellung wiederentdecken können.

 

„Ich sehe dich.“

Etwas, über das Rislane im Zuge ihrer Ausstellung viel nachgedacht hat, ist die Bedeutung des Augenkontakts. „Mir ist das immer wieder in der Straßenbahn oder im Bus aufgefallen. Da sitzen wir alle mit unseren Masken und schauen aneinander vorbei, fast schon als glaubten wir, dass wir uns nicht anstecken können, wenn wir uns nicht ansehen. Wie schön wäre es, wenn jemand einem einmal das Gefühl geben würde: ‚Ich sehe dich.‘“ In ihrer Ausstellung sind Blicke das Zentrum des Geschehens, während man sich anschweigt – und somit Treiber der Verbindung, des Moments, und: eine gute Schulung in Sachen Achtsamkeit.

Rislane wünscht sich, dass die Besucher*innen ihrer Ausstellung mit dem wohligen Gefühl nach Hause gehen, das sie auch nach einem Live-Konzert haben. Selbst mit ihr per Telefon über ihre Ausstellung zu sprechen fühlt sich schon so an. Trotz aller magischer Momente, die während „Muted“ entstanden sind, sehnt sich Rislane danach, bald auch wieder mit ihrer 7-köpfigen Band in voller Besetzung, „unmuted“, auftreten zu können. Mit allen Instrumenten, mit ihrer Stimme, einem Publikum – und ganz viel Augenkontakt.

 

 

Zur Künstlerin:

Rislane El Harat’s Weg zur Sängerin begann im Schulunterricht. Ihre Lehrerin ließ die Schüler – meist ohne Vorwarnung – solo vorsingen. Als Rislane schließlich an der Reihe war, wusste sie: Wow, das ist es! Seitdem hat sie in zahlreichen Bands gesungen und getourt, zunächst in Alternative-Rock- und Top-40-Bands, bis sie beschloss, sich ganz dem Soul und R’n’B zu widmen. Ihre großen Vorbilder wie Ella Fitzgerald, Aretha Franklin, Whitney Houston und Tina Turner waren im Laufe der Zeit einfach immer lauter geworden.

 

Zur Ausstellung:

„Muted“ läuft noch bis zum 29. Mai in der Photobastei Zürich,

Karten unter: www.rislane.ch

 

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