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Wenn es wieder losgeht, dann in "grün".
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Wenn es wieder losgeht, dann in "grün".

Immer mehr Veranstalter*innen übernehmen Verantwortung mit Green Events.

Die Event-Industrie steht vor einer großen Herausforderung: Wenn Veranstaltungen endlich wieder losgehen, dann bitte in „grün“. Es war schon die eine oder andere große Headline wert, als Coldplay Ende 2019 bekanntgaben, mit ihrem Album Everyday Life nicht zu touren und auch erst dann wieder Stadionkonzerte zu geben, wenn sie sicherstellen können, dass die Veranstaltung „grün“ ist. Coldplay erhöhen mit ihrem Statement den Druck: Events müssen nachhaltiger werden. Wie geht das?

Nirgendwo sind wir uns unseres ökologischen Fußabdrucks so gewiss wie auf einem Festival. Haben wir doch tagelang die Wiese buchstäblich plattgetreten, auf Kunststoffmatten vor den Bühnen getanzt, einen Haufen Müll produziert, aus Plastikbechern getrunken – und ab und an unsere Zigaretten einfach fallenlassen. Die Säuberung eines Festivalgeländes dauert in der Regel Tage, Equipment wird wochenlang in großen LKWs durch die Gegend gefahren – und das Ökosystem des Geländes braucht lange, bis es sich wieder halbwegs erholt hat. Kein Wunder also, dass die Forderungen nach grünen, also nachhaltigen, Events laut sind. Und sie sind gar nicht so schwer zu bewältigen. Längst gibt es gute Konzepte – und die Event-Industrie setzt sie um.

 

Grüne Events.

Green Events sind Veranstaltungen, bei denen auf die vier Säulen der Nachhaltigkeit besondere Rücksicht genommen wird: Ökonomie, Ökologie, Soziales, Kultur. Das bedeutet, dass die Veranstalter sich durch nachhaltige Planung, Organisation und Umsetzung auszeichnen müssen. Viele Länder haben politisch bereits deutlich definiert, was es dazu braucht. Es gibt Zertifikate und Auszeichnungen. Die Industrie selbst vergibt Awards für besonders gelungene Konzepte. Globale Standards hingegen sind noch Zukunftsmusik – dafür muss noch viel passieren.

Es ist meist die ökologische Nachhaltigkeit, also die Berücksichtigung des Natur- und Umweltschutzes, die bei einem Green Event im Vordergrund steht: durch die Vermeidung von Abfall sowie die klimafreundliche Verpflegung, die ökologische Beschaffung oder Anreize für eine umweltfreundliche An- und Abreise von Teilnehmenden. Alle Green Events haben gemeinsam, dass sie einen wertvollen und wichtigen Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt leisten.

Wer also vermeidet, dass das Equipment für die Bühnen lange Strecken zurücklegen muss, wer auf wieder-verwertbare Materialien setzt und den Wasser- und Stromverbrauch reduziert, wer abbaubare Einweg-Becher und -Besteck beschafft und auf lokale Gastronomie setzt, macht schon einen großen Schritt Richtung Green Event. Auch die Wahl des Veranstaltungsorts spielt dabei eine Rolle. Wer seine Besucher*innen an schlecht erreichbare Ziele außerhalb der Ballungszentren lädt, kann ein erhöhtes Aufkommen an Autos vermeiden, in denen er nachhaltige An- und Abreisekonzepte liefert – oder sich eine Location sucht, die der Umwelt weniger schadet. Zudem müssen die Veranstalter nicht alles allein tun: Die Auswahl von Dienstleistern und Partnern mit einem Nachhaltigkeits-Zertifikat ist mittlerweile groß genug – und auch zu Preisen erschwinglich, die im Budget-Rahmen bleiben.

 

Die Zukunft liegt in den Händen der Veranstalter*innen und Besucher*innen.

Leider haben die Jahre 2020 und 2021 die sich positiv entwickelnde Statistik von grünen Events im Vergleich zu regulären unterbrochen. Derzeit sind Prognosen schlecht zu treffen, da die gesamte Branche darauf wartet, endlich wieder loszulegen. Es ist aber davon auszugehen, dass gerade durch die Zwangspause nachhaltige Konzepte entstanden sind, die darauf warten, umgesetzt zu werden.

Auch unter den Konzert- und Festival-Fans wächst der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit. Viele Fans haben in den vergangenen zwei Jahren gesehen, dass gerade Test-Events und Veranstaltungen unter erhöhten Sicherheits- und Schutzmaßnahmen deutlich grüner daherkamen als noch im Jahr 2019. Das werden sie auch bei zukünftigen Events vermehrt einfordern, denn: Ein Besuch auf einer Großveranstaltung ohne schlechtes Gewissen macht bekanntermaßen gleich noch mehr Spaß.

 

Foto: istockphoto