Hardwell

HARDWELL, Tiestos Erbe

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Im Kinderzimmer wurde aus einem Traum Besessenheit: Robbert van de Corput wollte der beste DJ der Welt werden – und hat es geschafft. Robbert van den Wer? Heute kennt man ihn von Las Vegas bis Ibiza als Hardwell. Wir haben den Über-DJ vor einem Auftritt im Ushuaïa getroffen.

  • Autor: Knut T. Jordaan
  • Fotos: Hardwell/ DJ Marketing and Communication Ltd.
  • Video: DJ Marketing and Communication Ltd.

Viele Jungs träumen davon, Astronaut zu werden, Fußballstar oder Musiker – und sitzen dann, längst sind aus ihnen Männer geworden, doch nur im Büro. Träume ändern sich. Vielleicht lenken die Eltern sie in eine andere Richtung, vielleicht funkt die Angst vorm Versagen dazwischen oder die Liebe. Oft fehlt auch einfach das Talent.

Robbert van de Corput hat Talent. Und einen langen Atem. Er ist seinem Traum seit seiner Kindheit treu geblieben. Er arbeitete Tag und Nacht für ihn, wie besessen, brach zusammen vor Erschöpfung. Stand wieder auf, machte weiter. Und erreichte sein Ziel. „Bester DJ der Welt“. Im zweiten Jahr in Folge thront van de Corput über allen anderen, ist die Nummer 1 der Top 100 des DJ Mag’s, gewählt von den Fans. Robbert van de Wer? Weltweit kennt man ihn unter anderem Namen: Hardwell.

Alle paar Tage eine neue Zeitzone

„Hallo, ich bin Robbert“, so stellt er sich dann aber doch vor. Van de Corput betritt das kleine, rot verkleidete Studio vom Ushuaïa, schüttelt Hände, lächelt. Das rosige Gesicht eines Jungen, auch mit 27 Jahren. Sein Outfit ist schlicht: schwarzes Shirt, schwarze Hose, schwarze Sneaker. Er hat auch keine große Entourage im Rücken, nur sein Tourmanager folgt ihm zum Interview. Er ist keiner, der protzt, das kann man jetzt schon sagen. In zwei Stunden wird er den ersten von 12 Auftritten im Ushuaïa diesen Sommer haben. Nervös? Nein, gar nicht. „Das wird großartig hier, ich freue mich extrem, dass es losgeht.“ Nur ein bisschen müde sei er, gerade fast 10.000 Kilometer geflogen, vom Mega-Festival EDC in Las Vegas direkt nach Ibiza. Hardwell setzt sich auf das leicht abgewetzte braune Ledersofa, lehnt sich vor und tippt auf seinem Smartphone herum. Er sieht tatsächlich müde aus. Aber das ist er gewöhnt. Alle paar Tage eine neue Zeitzone. Jetzt also Ibiza.

Das Ushuaïa liegt direkt am Playa d’en Bossa und ist vier Jahre nach seiner Eröffnung längst berühmt für Ibizas beste Partys unter freiem Himmel. Carnival heißt Hardwells neue Show, die zwölf Dienstage lang die Open-Air-Disco beschallen wird. „Weltweit steht Karneval dafür, einfach Spaß zu haben und den Alltag zu vergessen. Deshalb haben wir uns dieses Konzept überlegt“, sagt er. 50 Euro kostet der Eintritt, ein Konzertpreis für eine Party. Doch schon jetzt wird die Schlange vor dem Eingang zum Club immer länger. Braungebrannte Mädels in fast durchsichtigen Kleidern, stiernackige Muskelmänner mit bunten Sonnenbrillen. Engländer, Deutsche, Spanier, Franzosen, Holländer sind gekommen. Alle seinetwegen.

Hardwell blickt von den Leinwänden an den Außenmauern des Clubs, und von Plakaten auf der ganzen Insel. Leute tragen T-Shirts mit seinem Namen drauf, er tourt mit seinem Album „United We Are“ um die Welt und spielt als Headliner auf den größten Bühnen der größten Electro-Festivals. Er ist an der Spitze angekommen.

Mit 10 an die Turntables

Der Weg dorthin begann vor über 17 Jahren in seinem Kinderzimmer in Breda, Provinz Noord Brabant, Niederlande. Auf MTV läuft eine Reportage über die holländische Elektroszene und ihre Stars: Armin van Buuren, Ferry Corsten und Tiesto, der auch aus Breda kommt. Er wird erst Hardwells Vorbild, später sein Förderer und Freund. Die Musik spielen, die man selbst mag und Tausende hören einem zu: Der kleine Robbert ist angefixt und kommt von dem Trip nicht mehr runter. Das will er auch mal machen. Mit zehn Jahren bekommt er Turntables, gibt sein Taschengeld für Schallplatten aus – im Musikgeschäft, das Tiesto in Breda eröffnet. Er schließt sich in seinem Zimmer ein, übt flüssige Übergänge und die richtigen Mischungen. Klavier spielt er schon, seit er vier Jahre alt ist, also fängt er an, auch eigene Stücke zu produzieren. Er spielt Musik auf Geburtstagen seiner Freunde, gewinnt Turntable-Wettbewerbe und beginnt schon mit 14, in Hollands größeren Clubs aufzulegen. Immer dabei: seine Eltern. „Ich durfte nicht allein in die Clubs, bis ich 18 war. Vier Jahre lang haben sie mich zu jedem meiner Auftritte gefahren und mich in die Discos begleitet. Meine Eltern haben mich wahnsinnig unterstützt“, sagt Hardwell. Und verrät nicht, dass sie auch heute dabei sind und Backstage auf ihn warten. Wo andere in den Hinterzimmern auf dicke Hose machen, hat er Freunde und Familie dabei. ´

Aber dieser Traum, die Nummer 1 der Welt zu werden – ist das nicht so eine Geschichte, die man im Nachhinein erfindet, weil sie sich gut vermarkten lässt? Nicht in diesem Fall. Es gibt da diesen Ausschnitt aus dem niederländischen Frühstücksfernsehen, in der der 16-jährige Hardwell sitzt. Die dunkelblonden Haare nach oben gegelt, die Gesichtszüge noch jungenhafter als heute, ein Kapuzenpulli unterm Sakko. Er erzählt von seinem ersten Plattenvertrag und seinen ersten Produktionen. Er sagt, dass DJs mehr können als nur Platten abspielen. Niemand in der Runde kennt ihn oder hat je ein Lied von ihm gehört. Und dann fragt ihn der Moderator, was sein Traum für die Zukunft ist. „Ich will die Nummer eins der Welt werden“, sagt Hardwell wie aus der Pistole geschossen. Die anderen in der Runde fangen an, zu lachen. Aber Hardwell lässt sich nicht verunsichern. Er sagt: „In zehn Jahren will ich Stadien füllen, so wie Tiesto es jetzt tut.“

Aus Dauerspannung wird Dauerdruck

Ein Fokus, wie ihn wohl nur wenige besitzen. „Ich habe mich einfach in Dance-Music verliebt. Sie hat mich immer an der Stange gehalten. Ich wollte mich immer weiter als DJ und Produzent verbessern“, erzählt er. „Das Gefühl, auf der Bühne zu stehen und dem Publikum mit neuen Sounds zu konfrontieren und ihnen die Musik zu zeigen, die man selbst mag – das war und ist für mich ein Traum. Ich habe nie über irgendetwas anderes nachgedacht.“ Schon fünf Jahre später geht ein Mash-up von ihm um den Globus: Er legt „Show me Love“ von Robin S über das Instrumental von Steve Angellos & Laidmack Lukes „Be“, DJs von Miami bis Seoul greifen es auf. Und das Leben von Hardwell beschleunigt sich, wirbelt ihn in die Charts und um die Welt. Er landet 2011 zum ersten Mal in der Top 100 des DJ Mag’s, auf Platz 24. Reicht nicht, weiter. Wöchentliche Podcasts, eigenes Label, Produktionen, Bootlegs – Dauerspannung, aus dem Dauerdruck wird.

„Ich habe aus meinem Zusammenbruch gelernt“

Alles für das große Ziel. Die Nummer eins sein. Freizeit? Keine Chance. Vitamintabletten statt richtiger Ernährung, Fischöl in Kapselform für den Omega–3-Haushalt. Das reicht nicht, um gesund zu bleiben. Stress. Erschöpfung. Zusammenbruch. Morgens um 5 taucht Hardwell an der Tür seiner Eltern in Breda auf. „Ich muss zum Flieger, aber ich kann nicht mehr.“ Ausgebrannt mit Anfang 20. Die Mutter schickt ihn ins Bett, die Managerin sagt Auftritte ab. Zwei Tage schläft er durch, der Doktor mahnt zur Ruhe, aber nach kurzer Zeit hält er das Rumsitzen nicht mehr aus. Zurück ins Studio. Die Nummer eins werden. 2013 ist es soweit. Keine zehn Jahre nach seinem Auftritt im Frühstücksfernsehen wählen ihn die Fans zum besten DJ der Welt. Konzerthallen füllt er ohnehin längst, räumt zig Preise ab – und nimmt mit Tiesto zusammen Songs auf. Das Vorbild und sein Erbe. If you can dream it, you can do it. Das ist sein Motto. 100 Prozent geben für den eigenen Traum, bisweilen auch etwas mehr.

„Ich habe aus meinem Zusammenbruch gelernt“, behauptet Hardwell trotzdem. „Musik zu produzieren macht mir am meisten Spaß. Ich verbringe jetzt mehr Zeit damit und weniger Zeit auf Tour. So bekomme ich auch mehr Ruhe.“

Was er Ruhe nennt, würde bei anderen dennoch als Stress durchgehen. Ibiza. Welt-Tournee für 2016 planen. Und richtig viel neue Musik. „Momentan ist es so, dass ich einfach Tracks produzieren möchte, die ich selbst spielen will – und das ist ganz verschiedenes Zeug. Radiotauglich und clubtauglich. Ich habe keine Deadlines und kann ganz frei arbeiten.“

Viel könne er nicht verraten. Aber es käme bald der Song „Survivors“ zusammen mit Dannic raus, außerdem eine Kollaboration mit Afrojack. Und sein Favorit auf den Ibiza-Sommerhit? Nichts von ihm selbst. „Axwell und Ingresso mit „Sun is shining“ ist definitiv mein Summerjam in diesem Jahr. Das ist der beste Song, den sie je gemacht haben.“

Noch ein Kräuterschnaps, dann geht es raus

Noch eine knappe halbe Stunde bis zum Auftritt. Im dunkel gekachelten Backstage-Raum stehen pompöse Sofas mit gestreiften Polstern und schwarze Loungesessel. Hardwell nippt an einem Bier. Keine Spur von Anspannung. Seine Mutter sitzt mit Sektglas in der Hand, sein Vater steht in Flip-Flops daneben, ein paar Freunde und Boxen übertragen leise die Musik von der Bühne. Noch spielen W&W, selbst in den Top 20 der beliebtesten DJs. Noch ein Mal aufs WC, noch eine Runde spanischen Kräuterschnaps. „Was heißt Cheers auf Spanisch?“, fragt Hardwell, das Plastikbecherchen in der Hand. „Salud!“ – dann geht es, begleitet von Security, nach draußen. Hinter die Bühne. Handydisplays funkeln in der Dunkelheit. Fans rufen seinen Namen. Auf der großen digitalen Leinwand der Bühne läuft ein animierter Film, aus dem Weltall geht es auf die Erde, in ein Zirkuszelt. Hinter den ersten roten Vorhang, dann hinter den zweiten. Und plötzlich tritt Hardwell ohne großen Effekt auf die Bühne. „What’s up Ushuaïa, make some noise!“ Und Ibiza macht Noise. Hardwell pumpt „Eclipse“ von seinem Album „United We Are“ auf das Publikum. Lichtblitze zucken über die Menge, die Party explodiert. Die Bühne speit Feuer, pumpt Nebel und lässt Laser tanzen. Hardwell gibt mit seinen Hände am Mischpult und in der Luft den Takt vor, trinkt ab und zu einen Schluck Bier und grinst mit der Freude eines Kindes. Zwei Stunden lang feiern die Fans ihren Helden. Sie tanzen nicht, sondern hüpfen höchstens, mit den Händen in der Luft – und drängeln ans Gatter vor der Bühne. DJs sind die neuen Rockstar.

Nach genau zwei Stunden ist Ruhe. Hardwell setzt sich hinter sein Mischpult. „Was für ein Sound.“ Die Managerin hockt sich dazu, auch sein Vater kniet sich hin und streckt die Hand aus. High Five. „Es war unglaublich. Wir sind so stolz“, sagt die Mutter.

Er ist immer noch ihr Junge. Und der lebt seinen Traum.