PLACES: Dragon-i

Das Musikfeuerwerk im Dragon-i

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Wie die Zukunft klingt? Das erfahren Sie hier – wo die Musik spielt. An den Orten, an denen Innovative und Experimentierfreudige zusammenkommen, um gemeinsam mit anderen Neues zu hören und neu zu hören. Wir laden Sie ein, einen Blick hinter die Kulissen dieser Audiowelten zu werfen: angesagte Clubs, legendäre Aufnahmestudios, Kunst- und Klanglocations

Der Club ist einer der heißesten Orte in Hong Kong. Nicht nur wegen der internationalen Stars, sondern auch wegen des guten Sounds. Ein nächtlicher Besuch in Hong Kong.

  • Autor: Simon E. Fuchs
  • Fotos: Dragon-i
  • Video: Dragon-i

Der Drachen liegt über der Stadt. Er trägt schwarze Schuppenhaut und speit Feuer. Würde man sich den Hong Konger Club Dragon-i als Fabeltier vorstellen, wäre er ein edles Geschöpf der seltensten Art. Eine Rolltreppe führt hoch zum Club im hippen Partyviertel an der Wyndham Street. Das kleine rote Logo des Clubs versteckt sich auf einer Wand aus schwarzen Paneelen. Der Club ist dennoch nicht zu übersehen, zwei große Fackeln markieren den Eingang.

Ein Besuch im Club Dragon-i ist eine „Ultimate Sound Experience“

Der Club Dragon-i ist eine der heißesten Adressen der Nacht. Die schöne und reiche Elite der Stadt feiert hier Seite an Seite mit Models, Musikern und internationalen Stars. Dieser ausgewählten Klientel bietet der Club feinste Audioqualität und internationale DJs. Der Besitzer, Gilbert Yeung, weiß worauf er achten muss – Er selbst stand früher hinter den Turntables. „Es ist sehr wichtig, dass Leute in einer guten Umgebung mit gut ausbalancierter Musik feiern können“, sagt Yeung. Jeden Tag um kurz vor sechs lässt er sein Soundsystem von einem Techniker überprüfen, damit ein perfekter Sound die Nacht im Dragon-i beschallen kann. „Dieser Sound hilft den Leuten zu verstehen, dass wir Qualität haben. Leute können so die Party viel mehr genießen“, sagt Yeung.

Am frühen Abend spielen die über zehn in die Decke eingelassenen Boxen im Hauptraum noch auf Sparflamme. Der DJ sortiert sich. Das einzige Feuer, das brennt, sind die Fackeln am Eingang. Nur die „Reserved“-Schilder auf jedem Tisch, auf dem jeweils ein Eiskübel und vielen Gläser stehen, zeigen, dass hier viele Leute erwartet werden. Über den runden Tischen im Hauptraum hängen rote Lampen. Die Deko ist eine Mischung aus japanischen, chinesischen und europäischen Einflüssen. Obwohl der Club eine der wichtigsten Adressen des Hong Konger Nachtlebens ist, ist er klein. Zwei Bars, zwei Räume, eine Terrasse. Die Tanzfläche vor dem DJ findet man in Europa eher in Bars als in Clubs. Man merkt, dass Hong Kong eine der Städte mit den teuersten Mietpreisen der Welt ist.

So können die Clubs der Zukunft aussehen: Perfekter Sound gepaart mit sehr gutem Service

Zum Glück hat Gilbert Yeung als Sohn des Entertainmenttycoons Albert Yeung Sau-Shing die richtigen Kontakte, um die öffentliche Empore vor dem Club Abends in eine Terrasse zu verwandeln. So wächst der Club in der Nacht auf die doppelte Größe an. Besonders am Anfang des Abends trinken viele Gäste draußen ihre Cocktails. Der Eingang geht direkt auf die Terrasse, man kennt sich, grüßt sich und bleibt erst einmal draußen stehen. Die Nachbarn scheint die laute Musik in der Nacht nicht zu stören, die Fenster in den umliegenden Hochhäusern sind dunkel, „Medical Center“ steht an einer Hauswand. Lachen und Gesprächsfetzen schallen von der Straße hoch. Der Club liegt im ersten Stock eines Bürogebäudes. Viele der Bars in der Wyndham Street haben ihre Türen und Fenster weit geöffnet. Die Partys lappen über die Bürgersteige hinaus. Heizstrahler sorgen auch im Winter auf der Dragon-i-Terrasse für angenehme Temperaturen. Sofas, Stehtische und die Garderobe sind nach draußen verlagert worden. Auf dem Boden liegt dunkler Holzboden. In die Decke eingelassene Boxen bringen den Sound des Clubs nach draußen.

New ways of listening: Neuste Technologie sorgt für klaren und kraftvollen Sound

Um halb eins bekommt der DJ Begleitung. Vor seiner Kanzel tanzen die ersten Gäste. Auch wenn es erst wenige sind, ist schon jetzt fast kein durchkommen mehr. Der DJ begrüßt eine Tänzerin und gibt ihr ein Mikro in die Hand. Sie steigt auf eine runde Empore neben der Tanzfläche. Wenn sie nicht tanzt, dann animiert sie die Anderen: „C’mon; Let’s dance; For the ladys!“

Der Sound hört sich klar und kraftvoll an. Kein Wunder: Zusätzlich zum abendlichen Soundcheck wird das ganze System vier Mal im Jahr komplett geprüft. Die weiß gestrichenen Boxen sind halb in die Decke eingelassen worden. Da der Raum tagsüber als Restaurant dient, sollten keine großen, schwarzen Boxen an der Decke sichtbar sein. Im Club wird auf jedes Detail geachtet. Auch das Licht wird fein auf den Sound abgestimmt, eine Person steht den ganzen Abend hinter dem Reglerpult.

Die Scheinwerferkegel wandern über die tanzende Menge. Die Frauen: lange Haare, kurze Kleider. Die Männer: stylische Lederjacken und zerzauste Haare. Man spricht Englisch miteinander, nur selten hört man Chinesisch. Fußballer Ronaldo, Sänger Robin Thicke, Basketballer Michael Jordan, Rapper Pharrell Williams, Medienmogul Russell Simmons, Sängerin Rihanna, Model Naomi Campbell und Schauspieler Hugh Grant – Sie waren alle schon mal hier. „Wer hier tanzt, gehört zu der Elite von Hong Kong. Entweder ist man reich, bekannt oder hübsch“, fasst es Sandeep Talwani zusammen. Er arbeitet bei einer internationalen Firma in Hong Kong. Natürlich trägt er einen Anzug im Club. Er schätzt die angenehme, nette Atmosphäre, auch wenn die Drinks etwas teurer sind.

Luciano, Avicii, Chris Brown und Snoop Dogg waren schon hier

Fast jeden Abend bietet der Club ein unterschiedliches Programm: Montags ist „HungryMonday“. Models können umsonst essen und trinken. Das deutsche Model Katerina Gottesleben nennt Dragon-i einen „Millionärsclub“. Mittwochs, Donnerstags und Freitags gibt es von 17 bis 19 Uhr Champagner und japanisches Essen. Später am Abend legen entweder die drei Resident-DJs auf, oder internationale Gäste kommen zu Besuch. Zur Art-Basel war zum Beispiel Paris Hilton gebucht. Aber auch Luciano, Avicii und Chris Brown waren schon hier, sowie die alten Master DJ Premier, DJ Jazzy Jeff und Snoop Dogg. Um eins werden Funken sprühende Champagnerflaschen durch die Menge getragen. „Das sind mal eben 50.000 Hong Kong-Dollar“, sagt der Manager Talwani. Geld scheint hier keine Rolle zu spielen.

Der Club ist ein Beispiel für eine lebendige Innovationskultur und ein „Work of art design“

Einer der drei Resident-DJs des Dragon-i, Emmanuel Diaz, übergibt die Kanzel an seinen französischen DJ-Kollegen, der auch als Resident-DJ im Dragon-i auflegt. Diaz lehnt wenig später mit seinem Getränk an einem der Stehtische auf der Terrasse. Immer wieder winkt er Leuten zu, gibt Handshakes, Küsschen auf Wangen. „Es gibt nur wenige Clubs, die so geil sind wie der Dragon-i-Club“, sagt er. Und das sage er nicht nur, weil er hier auflege. Er grinst und nimmt einen Schluck aus seinem Glas. Die Musik werde hier sehr wichtig genommen. Sowohl was die Auswahl der Musik angehe als auch die Qualität. „Von uns wird erwartet, dass wir immer die neusten Hits kennen“, sagt er. Er spiele viel House aber auch Hip-Hop und Classics. Nur richtig ausgefallene Songs hat er selten in seinem Sortiment, die Musik soll möglichst vielen Leuten gefallen. Der Sound an sich sei sehr warm und voll. Man merke auch als DJ, dass das Soundsystem jeden Tag gecheckt wird.

Diaz schaut auf die Straße vor dem Club: „Hier sah es vor einigen Jahren noch ganz anders aus“, sagt er. Gilbert Yeung sei einer der ersten Unternehmer in Hong Kong gewesen, der das Nachtleben mit Clubs wie dem Dragon-i bereichert hat. Vorher wurden hier in der Straße viele Antiquitäten verkauft. Nach und nach öffneten immer mehr Bars, Restaurants und Clubs in der Gegend. Besitzer Gilbert Yeung baut seinen Club auch in Zukunft weiter aus. Das Soundsystem auf der Terrasse werde bald erneuert, sagt er.

Am Nebentisch auf der Terrasse werden die letzten Stückchen Schokoladenkuchen gegessen. Jemand hatte Geburtstag und hat eine Torte bekommen. Eine weitere Spezialität des Hauses. Denn was man sich nachts nur schwer vorstellen: Tagsüber wandelt sich der Club in ein Restaurant. Die Dim Sum-Gerichte hier sind ein Geheimtipp in Hong Kong. Jeden Tag außer Sonntags gibt es sie als All-you-can-eat-Angebot. Die kleinen Teigtaschen sind je nach Wunsch zum Beispiel mit Spinat, Hühnchen oder Schweinefleisch gefüllt und werden in kleinen Holzschalen serviert. Jeden Tag kann man außerdem eine wechselnde Mittagssuppe probieren oder eine Sushi-Bento-Box bestellen. Auf der Abendkarte stehen Spezialitäten wie Kobe-Rind, Foie Gras und Riesengarnelen.

Die Champagnerflaschen werden in immer kürzeren Abständen durch den Club getragen

Um halb vier pumpt der Sound durch den Club. Auf der Tanzfläche vibriert durch die Schallwellen jedes Gramm Fett, das man so entdeckt. Man spürt den Sound in der Brust. Doch in den Ohren tut er nicht weh. Die täglichen Justierungen und Checks lohnen sich. Die Champagnerflaschen werden in immer kürzeren Abständen durch den Club getragen.

Die Party geht normalerweise bis vier Uhr nachts. Dann ziehen die Feierwütigen weiter in Clubs wie dem Drop. An einigen Abenden steht aber auch nach vier Uhr im Dragon-i der Besitzer Gilbert Yeung hinter dem DJ-Pult. So auch gestern. Seine Zeit als DJ kann er nicht ganz vergessen. Das Feuer eines Musikliebhabers brennt weiter in ihm.

Addresse: UG/F The Centrium, 60 Wyndham Street, Central, Hong Kong
Musik: Electro, House, Hip Hop, RnB, Charts

Eintrittspreis: 200 HKD (zirka 23 Euro)
Dress code: edel, T-Shirt geht bei Männern nur in Kombination mit einer schicken Jacke, keine Flipflops.
Öffnungszeiten: Mittagessen: Montag bis Freitag 12:00-15:00, Samstag bis Sonntag: 12:00 – 15:30, Abendessen: 18:00-22:00, Club: bis auf Sonntag: 22:00-4:00, Dienstag Ruhetag
Homepage: http://www.dragon-i.com.hk
Facebook: www.facebook.com/dragonihongkong/