Zimoun

Art Basel: Zimouns Soundkunst von morgen

People

Im Mittelpunkt von „Future of Audio“ – steht der Mensch. Einzelne Menschen mit Einfallsreichtum und Kreativität, die es wagen, ihre Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Entscheider mit dem Willen, ihre Klientel durch neue Audiowelten zu erreichen. Klangenthusiasten, die uns mit innovativen Projekten Hörerlebnisse verschaffen, die unser Inneres bewegen. Mit „Menschen“ sprechen wir alle Musiker, Künstler, Toningenieure, Produzenten, Entscheidungsträger, Sound-Designer an, die unsere Welt zu einem sinnlichen  Klanguniversum werden lassen. 

Während der Art Basel zeigt der Schweizer Künstler Zimoun seine neuste innovative Soundinstallation. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was die Besucher erwartet und wie eine gelungene Partnerschaft zwischen der Kunstwelt und Unternehmen aussehen kann.

  • Autor: Simon E. Fuchs
  • Fotos: DJ Marketing Communication Ltd.
  • Video: Sennheiser

Zimouns Werke sind nicht zu überhören. Mal ist es das unkontrollierte Brausen einer riesigen Plane im Wind, mal sind es tausende kleine Tropfen, die mit einem Zischen auf einer heißen Platte verdampfen.

Auf Einladung von Sennheiser entwickelte der Künstler Zimoun ein neues Kunstwerk, welches auf der Art Basel in Basel erstmals gezeigt wird. Während der Art Basel lädt der Künstler die Besucher ein, ihren Kopf in eine neue Sound-Dimension zu stecken. In einer Halle am Ostquai wird der raschelnde Sound von unzähligen Papiertüten einen mit Holz ausgekleideten Schiffscontainer erfüllen. Denn in den Tüten versteckt sich ein kleiner Motor, der einen Stab samt Kugel antreibt. Durch die Begegnung der Tüte entsteht der Sound.

317 prepared dc-motors, paper bags, shipping container
Zimoun 2016

Als erster Soundkünstler zeigt er die Richtung, in die das "Future Audio Artist Program" gehen soll.

Die Betrachter sind von einer großen Anzahl kleiner Klangerzeuger umgeben, was das Eintauchen in eine dreidimensionale Klang-Komposition ermöglicht. Jeder hörbare Klang wird in Echtzeit im Raum selbst erzeugt. Durch die große Anzahl von Klangerzeugern, welche sich alle individuell verhalten, entsteht ein hoch komplexer, sich nie eins zu eins wiederholender Gesamtklang.

Trotz der bewusst gewählten Einfachheit, entfaltet das System ein organisch anmutendes und komplexes Verhalten und entwickelt eine scheinbare Lebendigkeit. Tausende kleine Papiergeräusche wie Knacken, Rauschen, Rascheln, Knistern entfalten sich und fügen sich zu einem umfangreichen Klangraum zusammen. Dabei ist jede Klangerzeugung auch visuell sichtbar, da alle Geräusche durch das in Bewegung gesetzte Material selbst erzeugt werden. Wir hören was wir sehen und sehen das Hörbare.

„Ich finde Systeme interessant, bei denen komplexe Klangstrukturen entstehen.“

Die Installation ist einerseits sehr konkret: motorisierte Papiertüten im Raum. Anderseits beinhaltet sie gleichzeitig eine große Abstraktion, welche Assoziationen in unterschiedlichste Richtungen zulässt und sogar provoziert. Diese vielseitig möglichen Wahrnehmungen und Verbindungen lässt der Künstler entschieden offen, indem er seine Werktitel konsequent immer nur auf die Auflistung der verwendeten Materialien beschränkt.

Wie alle von Zimouns Klangskulpturen basiert auch diese Installation auf dem Zusammenspiel von Mechanik und Bewegung. Seine Installationen sind feingliedrige Werke von poetischer Verspieltheit, Resultate von Wiederholung und feinen Abweichungen. Auch in seinem Kunstwerk am Ostquai zeigt sich die Verbindung von Routine gepaart mit Zufall. Generell basieren die Arbeiten des Installations- und Klangkünstlers Zimoun auf mechanischen Systemen, durch welche einfache Materialien aus Alltag oder Industrie in Bewegung und somit zum Klingen gebracht werden. Dabei werden die Klangeigenschaften von Materialien, sowie deren dynamische Eigenheiten inszeniert.

Zimoun interessiert sich einerseits für Einfachheit im Bezug auf Funktion, Ästhetik und Material, andererseits für eine durch einfache Systeme generierte Komplexität in Bewegung und Klang.

Zimoun, welche Installation werden Sie für die Art Basel vorbereiten? Ich bereite ein Soundobjekt in einem Container vor, der auf Stelzen stehen wird. Der Besucher kann mit seinem ganzen Oberkörper durch ein Loch am Boden in den Container hineinschauen und erlebt ein immersives Sounderlebnis. Bei dieser Installation interessiert mich zum einen die variantenreiche Klangeigenschaft des dünnen, rohen, braunen Papiers - das Knistern, Rauschen und Knacken. Zum anderen faszinieren mich einfachste mechanische Systeme, die trotz ihrer Einfachheit ein große Komplexität entwickeln.

Eine „Unique Sound Experience“ und ein immersives Sounderlebnis

Was möchten Sie mit dieser Installation ausdrücken? Die Installation ist einerseits sehr konkret: es sind motorisierte Papiertüten im Raum. Anderseits beinhaltet sie gleichzeitig eine große Abstraktion, welche Assoziationen in unterschiedlichste Richtungen zulässt und gar provoziert. Ich finde Systeme interessant, bei denen komplexe Klangstrukturen entstehen. Diese Sounds entwickeln sich kontinuierlich weiter. So entsteht eine scheinbare Lebendigkeit, die fast organisch aussieht, obwohl sie lediglich durch industrielle und einfache Materialien entstanden ist.


Warum sind Sie Sound-Künstler geworden? In meiner Arbeit befasse ich mich sowohl mit Klang und Komposition, physischer Klangerzeugung durch Materialien, wie auch mit dem Thema Raum und dessen Transformation. Bei meinen Installationen werden all diese Elemente zusammengeführt: Wir hören was wir sehen, und das Hörbare wird sichtbar.

Innovative Soundkunst in der Sennheiser Lounge bei der Collectors Lounge auf der Art Basel

Was fasziniert Sie an der Soundkunst besonders? Ich mache hier keine Unterscheidung zwischen bildender Kunst und meiner Soundkunst, sondern sehe die verschiedenen Aspekte der Arbeiten als Teil des Ganzen. Grundsätzlich kümmern mich Einteilungen in Sparten nicht und spielen für mich keine Rolle.

Woher bekommen Sie ihre Inspiration? Meine Inspirationen und Interessen sind sehr weitläufig. Sie gehen von der Natur bis zu gesellschaftliche Eigenheiten. Von Architektur und Raum über Systeme, Methoden und Strukturen. Hin zu Absurditäten, zu den Gegensätzen Einfachheit und Komplexität. Sie strecken sich über unspektakuläre Materialien, kosmische Weiten bis hin zu verschiedenen Bereichen der Forschung und Naturwissenschaften. Auch Künste und Philosophien, Wahrnehmungen und Illusionen interessieren mich.

Auf der Suche nach inspirierendem Sound

Einige Ihrer Werke erinnern an Regentropfen und Gewitter. Welche Rolle spielt der Sound der Natur in ihrer Kunst? In meiner Arbeit steht der physische, durch das Material selbst und in Echtzeit erzeugte Sound im Vordergrund. Nicht eine Reproduktion von Klang, sondern die kontinuierliche Produktion durch die Materialien selbst interessieren mich. Die entstehende Komplexität in den sich fortwährend wandelnden Mikrostrukturen der Geräusche erinnert dann häufig auch an Formen, wie wir sie aus der Natur kennen. Ich denke zum Beispiel an prasselnden Regen oder durch Felder streifenden Wind.

„Es ist für mich eine Ehre und spannende Herausforderung, an diesem Projekt von Sennheiser teilzunehmen.“

Wie wichtig sind Projekte mit Firmen wie Sennheiser für Sie und für die Kunstwelt im Allgemeinen? Es ist für mich eine Ehre und spannende Herausforderung, an diesem Kunstprojekt von Sennheiser teilzunehmen. Wichtig scheint mir bei Kollaborationen dieser Art, dass von Seiten der Firmen ein ehrliches Interesse an der Kunst besteht und diese nicht bloß für Marketingzwecke genutzt oder gar in diese Richtung manipuliert wird. Bei Sennheiser habe ich von Anfang an einen solchen Dialog gespürt. Dieses aufrichtige Interesse und der damit verbundene Respekt für die Kunst waren für mich entscheidend und haben den fruchtbaren Boden dieser Zusammenarbeit ermöglicht.

Was ist ihre Vision für die Zukunft der Audiowelt?
 Ich denke in den nächsten 10-20 Jahren wird im Bereich Technologie sehr viel passieren. Die virtuelle Realität wird wohl viel stärker mit der Realität verschmelzen. Was dies im Bereich des Klangs und der Möglichkeiten, Sound zu komponieren oder zu konsumieren genau bedeuten wird, kann ich mir noch nicht recht vorstellen. Diese Zukunftsvision wirft die interessanten Fragen auf, wo und wie der virtuelle Sound genau stattfinden wird.